Im Dienst der Affekte
Eine Widmung an die Ostdeutschen in der Zeitschrift „Die Weltbühne“ ist ein Lehrstück dafür, wie man Geschichte instrumentalisiert und antisemitische Chiffren salonfähig macht.
Wenn Geschichte zur gefühls- und identitätspolitischen Ressource schrumpft, nimmt sie Schaden – davor warnt bereits Nietzsche in seiner Kritik der antiquarischen und monumentalischen Historie. Ihr ist nicht daran gelegen, die vergangene Wirklichkeit zu erkennen, vielmehr wird sie mythisiert und moralisch vereindeutigt.
Ein mustergültiges Beispiel dafür liefert die 7. Ausgabe der neu aufgelegten und verzwergten Zeitschrift „Die Weltbühne“ aus dem Hause des osttümelnden Verlegers und ehemaligen Inoffiziellen Mitarbeiters der Stasi Holger Friedrich. Dem erwähnten Muster folgt die hier gebotene historische Setzung: Zwei Fotografien der Demonstrationen vom 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz werden mit einer Widmung für die Ostdeutschen versehen, in der es heißt, diese hätten die Jewish Claims Conference und........
