Die Krux mit dem Erfolg
Anfang Juni hat der Kulturausschuss der Stadt Wien neue Förderrichtlinien beschlossen, die Mehrjahresförderungen im Kulturbereich deutlich einschränken. Im Regelfall sollen Förderverträge künftig nur mehr für ein Jahr abgeschlossen werden, mehrjährige Zusagen gibt es nur noch in „absoluten und besonders begründeten Ausnahmefällen“. Kurz vor dem Gemeinderatsbeschluss diese Woche wurden diese Ausnahmen noch präzisiert: In der darstellenden Kunst bleiben bestimmte mehrjährige Förderungen bestehen, sofern sie von der Fachjury vorgeschlagen wurden. Fix wird das aber erst im Herbst mit dem Beschluss des Gemeinderats.
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Gleichzeitig wird auch auf Bundesebene bei Förderungen gespart, während die großen Kulturinstitutionen vergleichsweise stabil bleiben. (siehe unten bei Daten und Fakten.)
Was heißt das jetzt für Kleinbühnen, Sonderprojekte, „Anfänger:innen“? Haben sie überhaupt noch eine Zukunft und die Zeit, um sich zu verwirklichen und den großen Durchbruch zu erreichen?
Mira und die gekaufte Zeit
Stellen wir uns eine Künstlerin vor: Mira ist Anfang 30, arbeitet in Wien, schreibt Theaterstücke, kooperiert mit Festivals, hat Kontakte ins Ausland und beschäftigt projektweise Techniker:innen und andere Kunstschaffende. Mira ist also weit mehr als nur Künstlerin; sie ist auch Organisatorin, Netzwerkerin, Planerin, Sekretärin, Social-Media-Content-Creatorin. Nicht unbedingt das, was du dir romantisch als kreative Schreiberin vorstellst? Tja, die Realität sieht anders aus …
Mira hat sich natürlich auch um Förderungen gekümmert. Die braucht sie nicht, um reich zu werden. Sie braucht sie, um vor allem Zeit zu kaufen. Zeit, um ein Projekt über einen längeren Zeitraum zu entwickeln. Zeit, um internationale Kooperationen aufzubauen. Zeit, um Menschen auch nach Ende einer Produktion halten zu können. Vor allem aber braucht sie etwas, das in fast jedem anderen Bereich als Selbstverständlichkeit gilt: Planungssicherheit.
Genau die wird jetzt noch mehr als je zuvor zur Ausnahme. Und hier beginnt mein Ärger.
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