Ein Jahr Freiheit – doch die Narben bleiben
14. Oktober 2026 – 3. Cheschwan 5787
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Ein Jahr Freiheit – doch die Narben bleiben
Vor einem Jahr war die Freude unbändig, als die letzten 20 lebenden Geiseln nach 738 Tagen in den Tunneln unter dem Gazastreifen nach Israel zurückkehrten
Es ist ein Satz, der sich kaum begreifen lässt: »Plötzlich sehe ich, dass jeder noch lebt – nicht ein einziger fehlt.« David Cunio sagt diese Worte, als er nach mehr als zwei Jahren in der Gewalt der Hamas seine Familie wiedersieht. Seine Brüder sind am Leben. Seine Eltern sind am Leben. Und da sind seine Töchter, Emma und Yuli, die er so lange nur in Gedanken bei sich haben konnte. An diesem Montag kehren er und 19 weitere junge Israelis aus der Geiselhaft in den Terrortunneln der Hamas wieder nach Hause zurück. Ein Moment, auf den das ganze Land mehr als zwei Jahre gewartet hatte.
Nach zwei Jahren des Bangens, der Proteste, der Verhandlungen und der immer wieder enttäuschten Hoffnung war das fast Unglaubliche tatsächlich geschehen: Die letzten lebenden Geiseln Matan Angrest, Gali Berman, Ziv Berman, Segev Kalfon, David Cunio, Ariel Cunio, Avinatan Or, Yosef-Haim Ohana, Alon Ohel, Evyatar David, Guy Gilboa-Dalal, Rom Braslavski, Eitan Mor, Nimrod Cohen, Maxim Herkin, Eitan Horn, Matan Zangauker, Bar Kupershtein, Elkana Bohbot, Omri Miran kamen zurück.
Doch die Bilder der Heimkehr erzählten nur einen Teil der Geschichte. Hinter den Umarmungen lagen 738 Tage Todesangst, unglaublicher Hunger, Folter, Dunkelheit und grauenvolle Ungewissheit. Mit der Rückkehr begann für die Überlebenden eine Aufgabe, die niemand für sie übernehmen konnte: irgendwie wieder ins Leben zu finden. Ein Jahr ist seit diesem Tag vergangen.
Matan Angrest wurde aus seinem Panzer verschleppt
Matan Angrest war IDF-Soldat in einer Panzereinheit, als die Hamas am 7. Oktober 2023 Israel überfiel. Er wurde aus seinem Panzer verschleppt, seine Kameraden wurden getötet. In Gaza wurde er schwer misshandelt. In seinem ersten ausführlichen Interview nach der Freilassung berichtete er von Elektroschocks, Verhören und der Angst, unter Folter militärische Geheimnisse preiszugeben. »Sie hatten die Macht. Aber gleichzeitig brauchten sie auch mich«, sagte Angrest über seine Entführer. Sie hätten ihm erklärt, als Soldat sei er viele Terroristen wert. Er versuchte, sich nicht brechen zu lassen, seine Antworten zu kontrollieren und seine Geschichte immer wieder gleich zu erzählen.
Als ihm schließlich mitgeteilt wurde, dass er freikommen sollte, konnte er es kaum glauben. Er wurde mit verbundenen Augen an einen anderen Ort gebracht. Als die Binde abgenommen wurde, sah er andere Geiseln, darunter........
