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Nur ein scheinbarer Gegensatz

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16.10.2026

16. Oktober 2026 – 5. Cheschwan 5787

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Nur ein scheinbarer Gegensatz

Warum wir an die Ankunft des Maschiach glauben sollten – aber nicht an einen Zeitpunkt

Der Talmud lehrt: »Drei Dinge kommen unerwartet: der Maschiach, ein Fund und ein Skorpion« (Sanhedrin 97a). Der Maschiach wird also zu einem Zeitpunkt kommen, an dem niemand mit ihm rechnet. Gleichzeitig gehört der Glaube an seine Ankunft zu den Grundsätzen des Judentums. Dem Talmud (Schabbat 31a) zufolge lautet eine der ersten Fragen, die einem Menschen im himmlischen Gericht nach seinem Tod gestellt werden: »Hast du die Erlösung erwartet?«

Wir stehen also vor einem scheinbaren Widerspruch. Einerseits müssen wir die Ankunft des Maschiach erwarten, erhoffen und an sie glauben. Andererseits wissen wir, dass der Maschiach gerade dann kommt, wenn niemand mit seinem Erscheinen rechnet. Der Talmud formuliert diesen Gedanken im Traktat Sanhedrin 97a besonders zugespitzt: »Der Sohn Davids (der Maschiach) wird nicht kommen, bis man die Hoffnung auf die Erlösung aufgegeben hat.«

Auf den ersten Blick scheinen diese Aussagen einander zu widersprechen. Das Judentum fordert den Menschen auf, täglich auf die Erlösung zu hoffen und an das Kommen des Maschiach zu glauben. Gleichzeitig betont der Talmud, dass der Maschiach unerwartet kommt und sogar erst dann erscheint, wenn die Hoffnung auf die Erlösung bereits geschwunden ist.

Der Glaube an den Maschiach darf niemals aufgegeben werden

Der Widerspruch löst sich jedoch auf, wenn zwischen dem Glauben an den Maschiach und der Erwartung eines konkreten Zeitpunktes unterschieden wird. Der Glaube an den Maschiach darf niemals aufgegeben werden. Aufzugeben ist vielmehr die Vorstellung, seinen Zeitpunkt berechnen oder bestimmen zu können. Gerade wenn alle menschlichen Hoffnungen, Pläne und Berechnungen erschöpft sind und deutlich wird, dass die Erlösung allein von Gʼtt abhängt, kann der Maschiach kommen.

Darin liegt die eigentliche Botschaft der messianischen Zeit: Der Mensch erkennt, dass nicht politische Macht, militärische Stärke oder menschliche Planung die Welt erlösen, sondern allein Gʼtt. Das messianische Zeitalter ist die Zeit, in der diese Erkenntnis zur Wirklichkeit wird und die gesamte Menschheit die Herrschaft Gʼttes anerkennt. Deshalb soll der Mensch sein Leben lang auf die Erlösung hoffen, ohne zu meinen, ihren Zeitpunkt zu kennen oder kontrollieren zu können.

In den jüdischen Quellen finden sich einige Stellen, die den Maschiach und das messianische Zeitalter beschreiben. Kurz vor seinem Tod segnet Jakow die Stämme Israels. Im Segen für Jehuda heißt es: »Das Zepter wird nicht von Jehuda weichen und der Herrscherstab nicht zwischen seinen Füßen, bis Schilo (ein Name, der für den Maschiach steht) kommt; und ihm werden die Völker gehorchen« (1. Buch Mose........

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