Auf eine Maß mit Lion Feuchtwanger
23. Oktober 2026 – 12. Cheschwan 5787
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Auf eine Maß mit Lion Feuchtwanger
Ein neu gegründeter Stammtisch erinnert an ein Stück vergessener jüdisch-bayrischer Tradition. Ein Ortstermin
In Bayern ist der Biergarten nicht nur ein Ort, an dem man im Schatten alter Kastanienbäume ein kühles Bier genießen kann, sondern auch einer der gelebten Öffentlichkeit, der Diskussions- und Streitkultur – eine Art bayrische Agora. Alteingesessene Stammtische treffen dort auf Besucher aus der ganzen Welt, die bayrische Vorliebe zur übellaunigen, aber immer weltzugewandten Klage auf rheinischen Frohsinn, Linke teilen sich mit CSU-Wählern einen Tisch.
Den Grundstein dafür legte König Maximilian I. Joseph – jener bayrische Regent, der es Juden erstmals ermöglichte, bayrische Staatsangehörige zu werden. Mit der 1812 erlassenen »Biergartenverordnung« wurde es den Gästen explizit gestattet, ihre eigene Brotzeit mitzubringen – Getränke hingegen müssen käuflich erworben werden. Das Gesetz sichert so bis heute allen sozialen Milieus einen Platz am Biertisch, der weder reserviert noch erkauft werden kann.
Wie wichtig gerade den Münchnern der Schutz ihrer Biergärten ist, wurde zuletzt 1995 deutlich: Nachdem Anwohner im Münchner Vorort Pullach wegen Lärmbelästigung durch einen Biergarten geklagt hatten, sollte dieser fortan bereits um halb zehn seine Gäste nach Hause schicken. In der Folge gingen bis zu 30.000 Menschen auf die Straße, um gegen die aus ihrer Sicht drohende Abschaffung der Biergartenkultur zu protestieren – und setzten sich durch: Bis heute darf bis 23 Uhr in den Münchner Biergärten gegessen, getrunken und gestritten werden.
Es dürfte also keinen besseren Ort für den bereits zum dritten Mal stattfindenden »Feuchtwanger-Stammtisch« geben als den »Augustiner-Keller« an der Münchner Arnulfstraße, einen der größten und ältesten Biergärten Münchens. Schon von Weitem hört man an diesem warmen Herbstabend das Klirren der Bierkrüge und das surrende Stimmengewirr hunderter Gäste. Von dem nicht weit gelegenen Brauhauskomplex der Münchner Traditionsbrauerei »Spaten« weht der Geruch der warmen Biermaische in Richtung des Hauptbahnhofs. Ein Stück Münchner Romantik.
Die gusseisernen Beine eines der Tische stellen eine Menora dar
Direkt am Eingang des Biergartens hat Wirt und Gastgeber Christian Vogler den runden Tisch des jüdischen Stammtischs aufstellen lassen, dessen gusseiserne Beine eine Menora darstellen. An die 100 Gäste sind gekommen. Einige in Dirndl, Lederhose........
