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Die geblieben sind

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06.10.2026

06. Oktober 2026 – 25. Tischri 5787

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Hanna Veiler beschreibt in »Jung, jüdisch, wütend« die Erfahrungen junger Jüdinnen und Juden mit Einsamkeit, Enttäuschung und Solidarität nach dem 7. Oktober. Ein Auszug

An einem Samstagabend im Juni sitze ich mit einigen Freunden in meinem Wohnzimmer in Brüssel. Im Hintergrund läuft ein Fußballspiel. Die WM hat gerade begonnen, und meine Freunde fiebern mit. Ich verstehe nicht viel von Fußball und nicht von Sport im Allgemeinen. Ich kann die Gefühle meiner nervös auf der Couch sitzenden Freundinnen nicht nachvollziehen, während ihre Augen dem Ball auf dem Spielfeld konzentriert nachwandern. Alle von uns sind jüdisch.

Wir kommen aus unterschiedlichen Ländern und sind unterschiedlich aufgewachsen. Manche von uns sind religiös, gehen regelmäßig in die Synagoge, während andere genüsslich auf der Salami-Pizza herumkauen, die jemand mitgebracht hat. Uns verbindet nicht nur, dass wir jüdisch sind, sondern auch, dass wir alle für jüdische Organisationen und in jüdischen Kontexten arbeiten.

Wir alle haben in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, jüdisch in unserem Arbeitsalltag und jüdisch zu Hause zu sein. Das bedeutet vor allem, dass die zum Teil schmerzvollen und komplizierten Dinge, mit denen wir uns täglich beschäftigen müssen, nicht abgeschlossen sind, wenn wir unsere Büros verlassen. Wir nehmen sie mit nach Hause, mit in unseren Alltag. Unsere Gedanken kreisen viel zu oft um Antisemitismus, um den Schutz und die Förderung jüdischen Lebens und um den Hass, den wir erfahren, auch wenn wir gerade miteinander Fußball schauen, im Café sitzen oder müde ins Bett fallen.

Mentaler Druck und verlorene Freundschaften

Es gibt keinen jüdischen Raum mehr, der frei wäre von, oft unausgesprochenen, existenziellen Sorgen und Ängsten. Alle von uns haben in den vergangenen Jahren vermehrt auf ihre Sicherheit achten müssen, haben unter enormem mentalen Druck gelitten, Freundschaften verloren und verändert, wie wir auf unser Leben in Europa blicken. Viele von uns haben das Gefühl entwickelt, sich nur unter anderen Jüdinnen und Juden sicher und verstanden fühlen zu können.

Solidarität kam nicht immer von dort, von wo wir sie erwartet hätten.

Solidarität kam nicht immer von dort, von wo wir sie erwartet hätten.

Schaue ich zurück zu meinen Anfängen im jüdischen Studierenden-Aktivismus, tut mir gerade diese Erkenntnis besonders weh. Wir haben Mauern um uns herum gebaut, weil wir so müde vom Erklären sind. Diese Mauern werden getragen von Angst und Erschöpfung. Wir haben zu oft riskiert, aus unseren Freundeskreisen verstoßen zu werden, dafür, dass wir unsere Verbindung zu Israel offen aussprechen oder für unsere politischen Positionen einstehen.

Ich kenne zu viele junge jüdische Menschen, die sich nicht mehr trauen, Freundschaften dort aufzubauen, wo man vulnerabel werden kann. Dort, wo man, um verstanden zu werden, erst seine Geschichte und Perspektive erklären muss, und dort, wo Vulnerabilität am Ende gegen dich verwendet werden könnte. Viele junge Jüdinnen und Juden meiner Generation wollten nie so ein Leben. Wie bereits ausführlich beschrieben, ging........

© Juedische Allgemeine