Gott erklärt?
Auf arte läuft eine Serie in welcher es dokumentarisch und in Episoden um Suche nach dem Glück geht. Eine Folge ist über das Glück im Glauben und mein Kolumnisten-Kollege Jörg Phil Friedrich hat darin einen Auftritt . So stolperte ich über dieses Thema und es inspirierte mich, aber weckte auch Widerspruch.
Darin fällt der Satz: „Die Gottesthese ist nicht weniger plausibel als die atheistische These“.
Ich bin Atheistin, was ich mit Stolz verkünde, denn ich habe mir diesen Status erkämpft und erarbeitet. Man kommt ja zwar auch als Atheist auf die Welt und kann somit erst später gläubig werden, etwa durch die Frühsozialisierung und das bewusste oder unbewusste Weltbild, das einen am Anfang prägt, und diese waren bei mir dann dennoch (sehr früh) christlich. Protestantisch-Lutherisch, mit Bibelwort und Gottesdienst, Tradition und häusliche Frömmigkeit. Wenn man Biografien von „Inzwischen atheistisch“-Menschen liest, ist das mitunter eine Erzählung von Befreiung von Zwang und Unterdrückung, von Indoktrination, die man hinter sich lässt. Das ist es bei mir nicht. Beide Phasen meines Schwingens in der Welt waren von Freiheit, von positiven Gedanken, von Inspiration und „Wahrheit“ beseelt und auch in Respekt vor dem jeweils anderen als Grundeinstellung. Es gab eine etwas turbulentere und unklare Zeit des Übergangs dazwischen, aber dennoch recht unspektakulär und ohne Ressentiments.
Versöhnung von zwei Zuständen
Am liebsten wäre mir eine Versöhnung zwischen beiden Zuständen, auch zwischen Menschen, die sich in jeweils einem davon heimisch und geborgen fühlen, oder als Wahrheit und richtig empfinden. Doch was ich nicht mag und wovon ich nichts halte, ist zu sagen: Man weiß es nicht wirklich, es könnte doch durchaus einen Gott geben. Eine solche Einstellung begreife ich nicht. Die allzu spezifische Vorstellung eines Gottes, die ist doch nicht Nachbarvorstellung zum „nichts“ des Atheismus, so ein bisschen als Übergang.
Kippbild (A-)Theismus?
Es gibt diese Kipp-Bilder, bei denen man sich einlassen muss, das Bild als Ente oder als Hase, als alte Frau oder als junge, etc. u sehen. Und dieses Kippen hat zur Folge, dass das jeweils andere vollständig verschwindet, man muss sich zum Zurückkippen anstrengen, zurückarbeiten. Vielleicht so? Man ist Atheist, also fällt es genau deswegen schwer, sich einen Gott vorzustellen? Und als gläubiger Mensch – wie kann man sich eine derart gottentleerte Welt ohne Gottes Regeln und Durchdrungenheit vorstellen?
Ich akzeptiere den Vorbehalt, dass ich im Moment eben im Kippzustand des „Atheismus“ stehen könnte und DESWEGEN die göttliche Existenz nicht erkennen kann – natürlich. Ich muss mir misstrauen, und schauen, ob ich mit anderen Voraussetzungen eine andere Position einnehmen würde. Und ich bin auch ungern im Chor derjenigen, die sich selbstsicher und laut anti-theistisch aufführen. Ob es die „Theodizee“ ist oder die Lächerlichkeit von religiösen Praktiken, die naive und hoffnungslos verstaubte Formelhaftigkeit von Denken und Sprechen, und was auch immer inzwischen gewohnheitsmäßig in bestimmten freigeistigen Kreisen als Argument gegen Glauben angeführt wird – not my cup of tea. Kultur und Traditionen sind – im Guten und Schlechten – Teil des menschlichen Daseins, von außen grundsätzlich mit Befremden angeschaut. Und das eben auch bei religiösen........
