Debatte um Lifestyle-Teilzeit: Was uns Frederik die Maus zu sagen hat
Dies wird ein Lob auf die Teilzeit – geschrieben von einer Vollzeit-Arbeitenden. Ich habe immer wieder Teilzeit gearbeitet, und es waren die schönsten und wichtigsten Zeiten meines Lebens, in denen ich Kreativität gefunden und gelebt habe. Es waren freie Phasen, in denen ich zu Poesie gefunden habe – und zu Widerstand.
In denen ich Zeit hatte für die Farbe des Himmels und wie sie sich sekündlich verändert, Zeit, die Menschen um mich herum zu beobachten, spielende Kinder auf dem Hof, Hunde, die ihre Menschen Gassi führten, und manchmal setzte ich mich sogar vor einen Ofen und beobachtete, wie sich die Kartoffeln langsam, ganz langsam in Pommes verwandelten. Teilzeit arbeiten war in meinem Leben die Zeit, die es erlaubte, Poetin zu werden.
In der Welt von Friedrich Merz und der Wirtschaftsunion gibt es keine Kunst, gibt es keine Poesie. Es gibt nur Arbeit. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion sieht Leben als Abfolge von Sorgearbeit für uns und die Kinder und von Erwerbsarbeit oder Fortbildung zur Effizienzsteigerung von Erwerbsarbeit. Wir sind für sie keine Bürger, sondern Produzenten und Konsumenten. Die Welt der Wirtschaftsunion ist ein Betrieb, und wir wachen schon morgens in der Werkshalle auf und dürfen höchstens noch entscheiden, an welchem der Fließbänder wir anfangen: Entweder die Kinder betreuen, oder Arme und Alte betreuen, oder die Arbeitskraft für die deutsche Wirtschaft verkaufen.
Es ist die Gesellschaft, die eine Fabrik geworden ist, das haben schon die italienischen Postoperaisten so geschrieben, Toni Negri beschreibt es in Empire so: „Die Fabrik hat sich über ihre Mauern hinaus ausgedehnt und die gesamte Gesellschaft erfasst. Die gesellschaftliche Produktion ist zur dominanten Form der Produktion geworden.“ Und: „Nicht mehr die Fabrik organisiert die Gesellschaft, sondern die gesellschaftliche Kooperation organisiert die Produktion.“
Das kennen wir längst, die Entwicklung ist nicht neu, und doch scheint........
