Von Washington nach Taschkent: USA vertiefen Partnerschaft mit Usbekistan
In der amerikanischen Hauptstadt Washington und im milden Florida, genauer gesagt in Trumps Anwesen in Mar-a-Lago, treiben die USA und Usbekistan ihre zuletzt vertieften Beziehungen weiter voran. So kam es in den vergangenen Tagen zu gleich mehreren ranghohen Treffen zwischen Saida Mirziyoyeva, Tochter von Präsident Shavkat Mirziyoyev und seit 2025 Leiterin der Präsidialverwaltung, und amerikanischen Vertretern, unter anderem mit Außenminister Marco Rubio und dem US-Sondergesandten für Süd- und Zentralasien, Sergio Gor.
Im Mittelpunkt der Gespräche stand der weitere Ausbau der strategischen Partnerschaft. Wie das US-Außenministerium auf seiner Webseite mitteilte, habe man „konkrete Wege zur Vertiefung der Zusammenarbeit des Privatsektors in den Bereichen kritische Mineralien, Zukunftstechnologien und Infrastruktur“ erörtert. Zugleich betonte Washington, man strebe „hochwertige Investitionen in den usbekischen Sektor kritischer Rohstoffe“ an. Die USA signalisierten zudem, dass sie die Gelegenheit begrüßten, „die bilaterale Zusammenarbeit auszuweiten, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Partnerschaften zu stärken und die Souveränität Usbekistans zu unterstützen“.
Neuer Wirtschaftsrat zwischen USA und Usbekistan
Die wirtschaftliche Dimension der Annäherung wurde durch die erste Sitzung des neu gegründeten amerikanisch-usbekischen Business & Investment Council unterstrichen. Das Gremium soll künftig als zentrale Plattform dienen, um Investitionen zu koordinieren und Handelshemmnisse abzubauen. Mirziyoyeva erklärte dazu, die Gründung sei durch „das hohe Maß an Vertrauen zwischen den Präsidenten beider Länder“ ermöglicht worden und solle eine „solide institutionelle Grundlage für gemeinsame wirtschaftliche Ambitionen“ schaffen.
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Dass es inzwischen weniger um Absichtserklärungen als um konkrete Umsetzung geht, machte Mirziyoyeva bei einem weiteren Termin in Washington deutlich. „Wir sind nicht mehr an dem Punkt, an dem wir nur über Potenzial sprechen“, sagte sie laut usbekischen Medien. „Wir sind jetzt an dem Punkt, an dem wir liefern müssen.“ Der Rat solle dabei helfen, Projekte „schnell und ohne unnötige Bürokratie“ voranzubringen. In ihrem Telegram-Kanal veröffentlichte Mirziyoyeva, der nachgesagt wird, die Nachfolge ihres Vaters antreten zu wollen, mehrere Bilder aus Washington und Mar-a-Lago.
Joined @SecRubio and @SMirziyoyeva to reinforce the newly launched U.S.-Uzbekistan Business & Investment Council and deeper engagement with C5+1 partners. pic.twitter.com/LeizKWOudI— Ambassador Sergio Gor (@USAmbIndia) April 7, 2026
Joined @SecRubio and @SMirziyoyeva to reinforce the newly launched U.S.-Uzbekistan Business & Investment Council and deeper engagement with C5+1 partners. pic.twitter.com/LeizKWOudI
Ein zentraler Baustein ist die stärkere Einbindung der US-Entwicklungsfinanzagentur DFC. Nach Angaben Mirziyoyevas werde die Institution dabei helfen, „US-Investoren für Usbekistan zu gewinnen und Investitionsrisiken zu teilen“. Noch im Laufe dieses Jahres solle zudem „eine gemeinsame Investitionsplattform gestartet werden“. Diese Initiative geht auf frühere Vereinbarungen zurück, die beim Besuch von Präsident Shavkat Mirziyoyev in den USA getroffen worden waren.
Zentralasien wird geopolitisch immer wichtiger
Die aktuellen Gespräche fügen sich in eine breitere Dynamik ein, die auch andere Berichte bestätigen. So verweisen Analysen darauf, dass insbesondere der Zugang zu kritischen Mineralien zunehmend ins Zentrum der US-Strategie in Zentralasien rückt. Parallel dazu baut Usbekistan seine Kooperationen in der Region aus – etwa mit Kasachstan bei der Erschließung und Verarbeitung strategischer Rohstoffe, um internationale Investoren anzuziehen.
Auch wirtschaftlich gewinnt die Partnerschaft an Tempo. Nach offiziellen Zahlen erreichte das bilaterale Handelsvolumen im Januar 2026 rund 93,3 Millionen US-Dollar. Das bedeutet einen Anstieg von etwa 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die USA gehören damit zu den am schnellsten wachsenden Handelspartnern Usbekistans.
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Die Annäherung zwischen Washington und Taschkent fügt sich in eine breitere geopolitische Aufwertung Zentralasiens ein. Die Region, die früher zur Sowjetunion gehörte, gewinnt zunehmend an strategischer Bedeutung, insbesondere im Wettbewerb um kritische Rohstoffe, alternative Lieferketten und politischen Einfluss zwischen den USA, China, den arabischen Staaten und Russland. Usbekistan nimmt dabei als bevölkerungsreichstes Land der Region eine Schlüsselrolle ein und entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Ankerstaat westlicher Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen in Zentralasien.
Flankiert wird diese Entwicklung durch politische Signale aus Washington. US-Präsident Donald Trump hatte Mirziyoyev zuletzt zu internationalen Treffen eingeladen und ihm bescheinigt, „große Erfolge in Usbekistan“ zu erzielen. Usbekistan ist beispielsweise Mitglied im von Trump initiierten Friedensrat. Beobachter in Zentralasien werten dies als Hinweis darauf, dass die Beziehungen beider Länder nicht nur wirtschaftlich, sondern auch geostrategisch immer mehr an Bedeutung gewinnen.
