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Herkunft ist kein Glaube – und Muslime sind keine politische Gefolgschaft

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12.10.2026

Herkunft ist kein Glaube – und Muslime sind keine politische Gefolgschaft

Der frühere Chef des Zentralrats der Muslime macht aus Herkunft ein religiöses Bekenntnis und aus Gläubigen einen politischen Wählerblock. Die Religionsfreiheit wird dabei missachtet.

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Freitagsgebet in einer Moschee (Symbolbild).

© Benjamin Pritzkuleit

Ich sage es immer wieder und ich sage es gern noch einmal: Wer ein Gespräch sinnvoll führen will, also halbwegs wissenschaftlich fundiert, der muss zuerst seine Begriffe definieren. Alles andere ist Taubenschach. Die Taube wirft die Figuren um, stolziert über das Brett und hält sich für den Sieger.

An dieser Regel scheitert, wer für die Muslime sprechen will, und wer über die sogenannte Muslimbruderschaft urteilt, solange niemand sagt, wer und was damit gemeint ist. Holen wir das nach. Eigene Definitionen brauche ich dafür kaum. Ich leihe sie mir bei einem Mann, der vierzehn Jahre lang Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland war und es wissen muss: bei Aiman Mazyek. Ich zähle nur seine eigenen Münzen.

Der erste Begriff steht schon im Namen. Lesen Sie ihn einmal langsam: Zentralrat der Muslime in Deutschland. Das klingt nach einer Mitte, nach einem Rat und nach einem Auftrag. Woher der Name kommt, lässt sich auf den Tag genau sagen.

An einem Sonntag im November 1994 beschloss ein Islamischer Arbeitskreis, sich umzubenennen, und schickte aus Köln eine Pressemitteilung in die Welt. Die alte Bezeichnung, hieß es darin, werde der Bedeutung des Gremiums nicht mehr gerecht; als Zentralrat der Muslime könne man sich vor einer breiteren Öffentlichkeit eindeutiger als verbindliche Institution darstellen. Man vertrete etwa siebzig Prozent der Muslime im Land. Als Vorsitzenden nennt das Blatt Nadeem Elyas. Jeder kann es nachlesen auf der Seite des Verbandes.

Eine Kleinigkeit verschwieg die Mitteilung. Milli Görüş war ein Jahr zuvor ausgetreten, und die Ditib, der größte Moscheeverband des Landes, machte die Umwandlung nicht mit; sie legte Wert auf die Feststellung, dem neuen Zentralrat nicht anzugehören. Der Name wuchs also, als die Sache schrumpfte.

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Und er hatte zufällig denselben Klang wie die Vertretung, die sich die Überlebenden der Shoah gegeben hatten. Einen Zentralrat der Juden in Deutschland gab es seit 1950, gegründet von den jüdischen Gemeinden selbst. Wer den neuen Namen hörte, hörte den alten mit. Dass das gewollt war, steht in keiner Akte. An den Zufall glaube ich trotzdem nicht: Wer so heißt, borgt sich einen Rang, den der Zentralrat der Juden von seinen Gemeinden bekommen hat.

Was aus den siebzig Prozent wurde, lässt sich dagegen beziffern. Vor vier Jahren gab die Deutsche Presse-Agentur dem Zentralrat höchstens 20.000 Mitglieder. Herr Mazyek hat den Vorsitz inzwischen abgegeben. Die Berliner Zeitung stellt ihn unter seinen Gastbeiträgen als Seniorberater für politisch-kulturelle Diplomatie vor, was bescheiden ist: Im Lobbyregister des........

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