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Als es im März «schneite, schneite und schneite»

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Als es im März «schneite, schneite und schneite»

In seiner Kolumne widmet sich Tobias Walt den Eigenheiten des Wetters. Dieses Mal erinnert er sich an den grossen Schneefall vor 20 Jahren.

Im Garten der damaligen Neuen Aargauer Bank in Zofingen fiel am ersten Märzwochenende 2006 eine Föhre dem Schneefall zum Opfer.

Ausgesprochen frühlingshaft hat er begonnen, der März. Endlich können wir wieder mit der dünnen Jacke das Haus verlassen. Endlich setzt wieder eine warme, wohltuende Sonne die Glückshormone in uns frei.

Doch dass der März auch ganz anders kann, hat er vor 20 Jahren bewiesen. Am Wochenende vom 5./6. März 2006 sorgten starke Schneefälle für ein regelrechtes Schneechaos. Zeitweise war an ein Vorankommen auf den Strassen gar nicht mehr zu denken, sodass weit über 100 Personen die Nacht von Samstag auf Sonntag in Notschlafstellen verbrachten, die in Rothrist und Oftringen errichtet wurden.

In zwei Gemeinden der Region musste wegen des Schnees die Fasnacht abgesagt oder verschoben werden. Und das Zofinger Tagblatt berichtete von einem Bauamtsmitarbeiter aus Wikon, der sich mit seinem Räumungsfahrzeug 24 Stunden ohne Unterbruch im Einsatz befand. Entsprechend las man auf der Frontseite der Zeitung den einfachen, aber durchaus passenden Titel «Es schneite, schneite und schneite».

Selbst in der Stadt Basel, die sich an grosse Schneemengen nicht unbedingt gewohnt ist, wurden an diesem legendären Wochenende 49 Zentimeter Schnee gemessen. So viel, wie seit 75 Jahren nicht mehr.

Warme Luft trifft auf kalte – und lässt es schneien

Schuld an diesem späten Wintereinbruch war damals eine typische Gegenstromlage. Bei dieser Wetterlage treffen zwei Luftströmungen aus entgegengesetzten Richtungen aufeinander. Dabei handelt es sich um kalte Luft aus Norden und feuchte Mittelmeerluft aus Süden. Beide werden zum Aufsteigen gezwungen. Dadurch entstehen intensive Niederschläge. Im Frühjahr sind die Voraussetzungen für Gegenstromlagen besonders gut. Während es in Nordeuropa oft noch winterlich kalt ist, bilden sich über dem Mittelmeer bereits milde und feuchte Luftmassen.

Wenn diese beiden Luftmassen aufeinandertreffen, gilt eine einfache Regel: Kalte Luft ist dichter als warme. Deshalb kann die warme Luft die kalte nicht verdrängen. Stattdessen gleitet sie über die kalte Luft hinweg. Dabei kühlt sich die aufsteigende Luft an den Alpen ab. Wasserdampf kondensiert, worauf Wolken und Niederschlag entstehen.

Prognosen sind schwierig

Da die genaue Lage dieser Luftmassengrenze sehr schwierig zu prognostizieren ist, macht eine solche Wetterlage den Meteorologen oft Bauchschmerzen. Unterschiede von wenigen Kilometern entscheiden darüber, ob eher 5 Zentimeter Neuschnee fallen oder 50 Zentimeter. Und ob man sich überhaupt auf der kalten Seite befindet oder inmitten der milden Luftmassen, was dann Regen statt Schnee bedeuten würde.

Gegenstromlagen sind heutzutage eine der wenigen Wetterlagen, die im Schweizer Mittelland für grössere Schneemengen sorgen können. Ein Beispiel: Während eine klassische Nordwestlage dank eines kühleren Atlantiks vor ein paar Jahrzehnten noch genug «kalt» war für Schnee bis ganz runter, braucht sie heute dafür die Unterstützung von kälterer Luft aus meist nordöstlicher Richtung. Sollte sich in der kalten Jahreszeit also mal wieder eine Luftmassengrenze über unseren Köpfen bilden, stehen die Chancen für eine Winterlandschaft nicht schlecht.

Die bisher letzte grosse Kälte

Viel Dunkel und häufiges Grau. Das war des Winters Charakter hierzulande schon immer. Und diesen wird er auch behalten. Auch wenn sich die Jahreszeit ihrer kalten Eigenschaft immer mehr zu entledigen scheint, schreibt ZT-Kolumnist Tobias Walt.

Liegt bei euch schon Schnee?

Den Winter in einem Bergtal stellen sich viele Menschen mit meterhohem Schnee vor der Haustür vor. Wie wenig diese Vorstellung mit der Realität zu tun hat, zeigt Tobias Walt, freischaffender Journalist und begeisterter Wetterbeobachter, in dieser Kolumne auf.

Ein bisschen weniger Grau, bitte

November. Wenn man dieses Wort schon hört. Gibt es eigentlich ein passenderes Synonym für die Tristesse vor dem Fenster?

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