Du kannst nicht alles erreichen
„Ich habe den Master in der Regelstudienzeit abgeschlossen, das war voll machbar“, erzählte mir eine Kommilitonin an unserem Sponsionstag. „Und du?“, hakte sie nach. Ich zögerte. Noch bevor ich antworten konnte, überrollte mich eine Welle der Scham, denn ich hatte nicht zwei, sondern fünf Jahre gebraucht. In meinem Kopf begann es zu kreisen: Habe ich es nicht genug gewollt? Habe ich mich nicht ausreichend angestrengt? Der Stolz darüber, als erste in meiner Familie einen Masterabschluss zu haben, verschwand sofort.
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Solche Momente zeigen mir, wie tief sich bestimmte Überzeugungen in mein Denken verankert haben. Aussagen wie „Jeder kann alles schaffen“ oder „Man muss es nur wirklich wollen“ klingen zunächst motivierend, entpuppen sich aber bei näherem Hinsehen als unrealistische und zugleich problematische Traumvorstellungen.
Sie geben einem das Gefühl, dass wenn man etwas nicht erreicht, man zu 100 Prozent selbst dafür verantwortlich ist. À la: „Upsi, du hast es wohl nicht wirklich gewollt.“ Sie vertuschen strukturelle Probleme in der Gesellschaft wie Armut, Diskriminierung und Rassismus. All diese Dinge haben einen riesigen Einfluss darauf........
