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Tote alte Frauen

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23.01.2026

Dieser Artikel behandelt sexualisierte Gewalt, speziell Femizide. Der Inhalt kann belastend oder retraumatisierend wirken. Bitte lies nur weiter, wenn du dich emotional sicher fühlst. Eine Liste mit Unterstützungseinrichtungen findest du am Ende des Textes.

Johannas Facebook-Profil ist noch aktiv. Hundefotos, Ausflüge, Bergtouren. Es wirkt fast so, als wäre sie noch da. Ein Bild zeigt sie am Badesee, ein anders wie sie die letzten Meter zu einem Gipfel hinaufklettert. Johanna wurde letzten Oktober zusammen mit ihrem Sohn von ihrem Ehemann erstochen. Im Dezember hätte sie ihren 71. Geburtstag gefeiert. Johanna ist kein Einzelfall.

Laut einer Studie der FH Joanneum in Graz sind Frauen über 65 Jahre überdurchschnittlich häufig Opfer von Tötungsdelikten. Vergangenes Jahr zählten die Autonomen Frauenhäuser 15 mutmaßliche Femizide in Österreich. Knapp die Hälfte der getöteten Frauen waren über 65 Jahre alt. Agnes, Anna, Anneliese, Eva, Margit, Monika – und eben Johanna. 2024, also ein Jahr vorher, starben laut Todesursachenstatistik insgesamt 50 Menschen durch Mord oder einen tätlichen Angriff. 43 Prozent der weiblichen Opfer waren über 65, bei den männlichen nur 14 Prozent. Anfang der Woche wurde in einem Wiener Pensionist:innenheim eine 87-jährige Frau tot in ihrem Zimmer aufgefunden. Es ist davon auszugehen, dass es sich um einen Mord handelt.

„Man könnte sagen: Ein Drittel der Frauen, die ermordet worden sind, sind über 65 Jahre alt“, sagt Marina Sorgo von den Gewaltschutzzentren........

© Wiener Zeitung