Keine Lust mehr auf den Weltmarkt: Ein Milchbauer vom Bodensee macht lieber Eiscreme
Andreas Deyer schaut auf sein Handy. „Oh, mein Melkroboter ruft gerade an. Irgendwas ist da los. Ich muss kurz weg.“ Ein paar Minuten später ist er wieder da. Das Problem in seinem 140-Kühe-Stall hat sich kleiner herausgestellt als zunächst gedacht. Der Produktion von 3500 Litern Milch an diesem Tag steht nun nichts mehr im Wege. Der 57-jährige Deyer kann durchatmen.
Mal kurz durchatmen? Für Milchbauern in Deutschland ist das in den vergangenen Jahrzehnten schon zu einer Art kleinem Luxus geworden. Seit die Milchproduktion in Deutschland und Europa nicht mehr wie noch im alten Jahrtausend durch staatliche Mengenvorgaben reguliert wird, ist das Milchbauer-Dasein zu einer Art Wette auf die Zukunft geworden. Reichen die Preise aus, um keine Miesen zu machen?, lautet die bange Frage, die sich die Landwirte jedes Jahr aufs Neue stellen.
In der Zeit, die noch Deyers Vater und Großvater kannte, war das anders. Das Geschäft war berechenbar. Eine sogenannte Milchquote teilte jedem Hof Produktionsmengen zu, zu denen man die Milch zum festen Preis bei den Molkereien abgeben konnte. Lieferte man mehr, waren empfindliche Abgaben fällig. Die 1984 eingeführte Milchquote sollte die Butterberge und Milchseen, die im Europa der 1980er-Jahre die Nachrichten bestimmten, abbauen helfen. Für die Bauern bedeutete das System zwar finanzielle Sicherheit, war aber auch eine Wachstumsbremse – vor allem für Höfe, die sich mit guten Ideen und funktionierendem Tierbestand weiterentwickeln wollten. Als die Quote im Jahr 2015 nach Jahren des Übergangs endgültig fiel, stieg daher für viele die Unsicherheit. Seit damals bildet sich der Milchpreis, den auch Bauer Deyer bei seiner Molkerei bekommt, am Weltmarkt. Und dort schwanken die Milchpreise ziemlich........
