Julia Koschitz: „Ich finde es zutiefst menschlich, Fehler zu begehen“
Frau Koschitz, Sie sind bekannt für Ihre Darstellungen in psychologisch tiefgründigen Dramen wie etwa „Der letzte schöne Tag“ oder „Hin und weg“. Zieht es Sie bewusst zu Stoffen hin, die an die Schmerzgrenzen des Lebens gehen?
KOSCHITZ (DENKT NACH): Na ja, es interessiert mich, warum wir Menschen sind, wie wir sind. Was uns antreibt, was wir fürchten, wozu wir in der Lage sind, im Guten wie im Schlechten. Und in Ausnahmesituationen treten oft Wahrheiten zutage, die sonst nicht sichtbar sind.
Was ist für Sie das Reizvolle daran – im Vergleich zu einer netten Komödienrolle wie in Ihren frühen Schauspieljahren bei der Bogner-Serie „München 7“?
KOSCHITZ (LACHT): „München 7‘“ – das ist ja schon gar nicht mehr wahr, so lange ist das her. Das war meine erste richtige Fernsehrolle und ich habe sie sehr gern gespielt. Ich möchte gar nicht werten, zwischen leichteren und schwereren Stoffen. Beides kann gut und schlecht geschrieben sein und da liegt eigentlich auch meine Entscheidung. Ich habe dieses Jahr zwei Kinofilme gedreht, die tragikkomisch sind, und nach meinem jetzigen Projekt werde ich eine schwarze Komödie fürs Fernsehen spielen. Ich liebe gute Komödien, auch als Zuschauerin, und finde sie schauspielerisch gesehen mindestens genau so herausfordernd wie eine dramatische Rolle. Grundsätzlich interessieren mich ambivalente Figuren, die man nicht so leicht versteht, und die vielleicht auch nicht immer sympathisch sind. So ist das im Leben, man verhält sich nicht immer, wie man es sich von sich selbst wünscht. Ich finde es zutiefst menschlich, Fehler zu begehen und auch, sie erst einmal nicht sehen zu wollen. Es ist unangenehm, mit ihnen konfrontiert zu werden, aber wichtig, um einen Umgang damit zu finden. Dieser Prozess interessiert mich. Ich halte nichts davon, seine Fehler zu verdrängen oder hinter einer Scheinmoral zu verstecken. Das funktioniert eh nicht.
Ihr neuer ZDF-Film „Das verschwundene Kind“ ist kein klassischer Krimi, sondern ein psychologisch austariertes Familiendrama. Beleuchtet wird das emotionale Geflecht einer idyllischen Hofgemeinschaft im Wendland, das nach dem Verschwinden eines zwölfjährigen Buben durch Lebenslügen Risse bekommt. Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an diesem........
