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Das Ende einer Reise: Der Großonkel unserer Autorin starb durch assistierten Suizid

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28.09.2026

„Aaalles gut, alles gut“, war seine Antwort auf die meisten der Fragen, die ich oder mein Vater, mein Onkel oder meine Oma meinem Großonkel stellten. Vor zweieinhalb Jahren ist er gestorben. Durch assistierten Suizid, in der Schweiz, seiner Wahlheimat, wo er beinahe sein gesamtes Leben verbracht hat. Eike Jahn wurde 83 Jahre alt.

Mein Großonkel war nicht sterbenskrank, nicht verzweifelt, nicht des Alltags überdrüssig – aber satt an Erfahrungen. Heute weiß ich das. Als er uns damals seine Entscheidung mitteilte, war ich allerdings zunächst dagegen.

Assistierter Suizid kann darin bestehen, dass ein Arzt ein tödliches Mittel bereitstellt, das der Patient dann selbst einnehmen muss. In Deutschland ist diese Praxis seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020 straffrei. Gleiches gilt für indirekte Sterbehilfe, bei der es in der letzten Sterbephase eines Menschen um Schmerzlinderung geht und Patienten infolge der Medikamente früher sterben können. Aktive Sterbehilfe hingegen, also Tötung auf Verlangen, ist weiterhin strafbar.

Er wollte gehen, solange er noch selbst gehen konnte

In der Schweiz ist es ähnlich geregelt. Beihilfe zum Suizid ist nach Artikel 115 des Strafgesetzbuches unter bestimmten Voraussetzungen nicht strafbar. Dafür muss die Person, die sterben will, urteilsfähig und in der Lage sein, das zum Tod führende Mittel selbst einzunehmen. Der Sterbehelfer, etwa der Arzt, darf außerdem keine selbstsüchtigen Beweggründe haben.

Schon vor Jahrzehnten hat Eike zu seinen Neffen gesagt (eigene Kinder hatte er nicht), wenn er irgendwann mal nicht mehr so kann, wie er will, dann beendet er sein Leben. Dann, vor zweieinhalb Jahren, als er immer öfter vergaß, wo er sein Auto abgestellt hatte, körperlich nicht mehr fit genug zum Skifahren war und schließlich in das Pflegeheim in seinem Nachbarort umzog, war es so weit. Er wollte gehen, solange er noch selbst gehen konnte, bevor er sich mit der einsetzenden Demenz irgendwann selbst verloren hätte.

Ich erinnere mich an ein, sagen wir, einigermaßen hitziges Weihnachtsfest zu Hause bei meinen Eltern. Mein Vater erzählte uns nach seinem jüngsten Besuch in der Schweiz von Eikes Plänen. Mein Bruder war dafür. Nicht für den Tod, nicht für Suizid. Aber dafür, dass über ein Ob und Wann und Wie nur Eike selbst entscheiden sollte. Dass sich dabei niemand anderes einzumischen habe. Auch wir nicht.

Meine Mutter sah das anders. Es gebe doch immer etwas, wofür es sich zu leben lohnt. Auch wenn das im Alter natürlich anders aussehe als noch zu Jugendzeiten. Wie könnten wir als Familie eine solch endgültige Entscheidung denn........

© Südkurier