Gastbeitrag zum Stand der Deutschen Einheit: Leistung soll über Aufstieg entscheiden. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus.
Gastbeitrag zum Stand der Deutschen Einheit Leistung soll über Aufstieg entscheiden. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus.
Die SPD-Politikerin Elisabeth Kaiser (39) ist Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland. (Archiv)
Meinung | Berlin · 95 Prozent der Menschen wollen, dass Leistung zählt; bei der Frage, was tatsächlich Aufstieg bestimmt, nennen 80 Prozent aber Vermögen und Beziehungen. Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander.
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Wir erzählen jungen Menschen, dass sich Anstrengung lohnt. Dass Bildung Wege öffnet. Dass man etwas aus seinem Leben machen kann. 95 Prozent der Menschen in Deutschland sagen, Leistung und Fleiß sollten für gesellschaftlichen Aufstieg zählen. Dann kommt der Bruch.
Gefragt danach, was tatsächlich über Aufstieg entscheidet, nennen 80 Prozent Vermögen, 80 Prozent Beziehungen und 72 Prozent die soziale Herkunft. Leistung und Fleiß nennen nur 69 Prozent. 26 Prozentpunkte liegen zwischen Anspruch und wahrgenommener Wirklichkeit.
Dahinter steckt weit mehr als die Frage nach gerechtem Aufstieg. Es geht um den Mut, etwas zu wagen, um den Antrieb, Verantwortung zu übernehmen und etwas Eigenes aufzubauen. Wenn Menschen erleben, dass ihr Einsatz sie voranbringt, schafft das Zuversicht und setzt Kräfte frei. Wenn Herkunft, Vermögen und Beziehungen stärker über Chancen bestimmen als der eigene Einsatz, berührt das eine zentrale Frage der Gerechtigkeit – und unseres Zusammenhalts.
Die Menschen wollen ihren Weg selbst gehen
Der Deutschland-Monitor zeigt: 60 Prozent sehen die Verantwortung für den eigenen Aufstieg vor allem bei sich selbst.........
