Deutschland sucht den Nazi
20. Juni 2026 – 5. Tamus 5786
AboAngebote PrintAbo-Service
AboAngebote PrintAbo-Service
Deutschland sucht den Nazi
Der »Spiegel« und die »Zeit« helfen den Deutschen, die Nazis unter den Vorfahren aufzuspüren - und verdienen damit ganz nebenbei gutes Geld. Richtig so, findet unser Autor
Es gibt immer mehr Nazis - und der »Spiegel« ist schuld daran.
Nein, bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Das ist nicht als Vorwurf gemeint. Vielmehr hat das Hamburger Nachrichtenmagazin vor Kurzem seine online durchsuchbare Mitgliederkartei der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei (NSDAP) um 864.000 Parteigenossen erweitert. Und jetzt wird dort auch Auskunft über mögliche SS-Mitgliedschaften gegeben.
»Wir verstehen die Arbeit an der Nazi-Kartei als Experiment mit offenem Ausgang«, heißt es auf der »Spiegel«-Webseite. Dabei ist die Frage, ob es ein lukratives Experiment ist, längst beantwortet. Ja, und wie. Die Suchmaske steht hinter der Bezahlschranke, nur zahlende Abonnenten können den »Datenschatz« (Eigenaussage) durchsuchen und so versuchen, dem eigenen Opa (oder dem der Ex-Freundin) posthum die Unschuldsmaske vom Gesicht zu reißen.
Auch »Zeit Online« hat ein solches Tool ganz oben auf der Homepage platziert. Auch dort muss man Abonnent sein, um es benutzen zu können. In beiden Fällen wird die Suche so zwar vereinfacht. Aber sie bleibt ein arges »Hit and Miss«.
Zwischen den Ergebnissen, die das Suchtool der »Zeit« ausgibt, und den Treffern beim »Spiegel« bestehen zum Teil erhebliche Diskrepanzen. Der Selbstversuch ergibt bei der »Zeit« 14 NSDAP-Mitglieder mit dem Familiennamen »Thaidigsmann«, beim »Spiegel« hingegen nur acht. Vor der Aktualisierung der »Spiegel«-Datei Ende Mai waren es sogar nur zwei gewesen.
Dabei ist der zugrundeliegende Datens(ch)atz doch ein und derselbe. Es handelt sich um die von den Amerikanern beschlagnahmte und später eingescannte NSDAP-Mitgliederkartei, die im US-Nationalarchiv aufbewahrt wird. Seit März ist sie in Form........
