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„Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück“

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30.06.2026

30. Juni 2026 – 15. Tamus 5786

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»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

Herr Reif, Deutschland hat zum dritten Mal in Folge nicht das Achtelfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft erreicht. War das nur ein unglücklich verlorenes Elfmeterschießen? Oder steckt mehr hinter der Misere?Fußballerisch sind wir aktuell nur noch Mittelmaß. Der große Fußballphilosoph Hermann Gerland aus Bochum, lange Zeit Co-Trainer beim FC Bayern und ein wunderbarer Typ, hat einen guten Spruch auf Lager: »Immer Glück ist Können. Immer Pech, dann bist du schlecht.« Wer drei Weltmeisterschaften hintereinander und ein paar Europameisterschaften dazwischen so in die Grütze fährt, kann das nicht mehr als Zusammentreffen unglücklicher Umstände bezeichnen. Es liegt vielmehr daran, dass diese Nationalmannschaft nicht so gut ist, wie sie sein müsste, um sich zu behaupten. Sie hat gegen Paraguay nicht mit Pech verloren. Sie hat gegen einen allenfalls mittelmäßigen Gegner nicht die richtigen Mittel gefunden.

Es gab vor genau 20 Jahren das deutsche Sommermärchen und eine positive Stimmung während der WM im eigenen Land, obwohl Deutschland damals die WM auch nicht gewinnen konnte. Heute hat man das Gefühl, dass alle betrübt sind. Leidet das Land an sportlichen Niederlagen mehr als früher?Das wird in Zeiten wie diesen halt verknüpft mit anderen Dingen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Meine Frau hatte eben eine Zugverspätung zwischen München und Wiesbaden von einer Stunde und 20 Minuten. Sie schimpft jetzt, dass hierzulande im Zugverkehr nichts mehr funktioniere. Beim Fußball ist es ähnlich. Ich verstehe den ganzen Frust, warne aber davor, die Dinge miteinander zu verknüpfen. Obwohl es natürlich viele Menschen gibt, die sagen, dass wir, als wir noch sportliche Erfolge feierten, insgesamt in einer besseren Lage waren als heute.

Dennoch, Niederlagen gab es auch schon bei früheren Weltmeisterschaften.Stimmt, Deutschland hat nicht immer gewonnen. Aber man war meistens vorne mit dabei, und jeder hat gesagt: Mit den Deutschen ist zu rechnen. Die jetzige deutsche Nationalmannschaft konnte man vor dem laufenden Turnier nicht zu den Mitfavoriten zählen. Nun hat sie bewiesen, warum sie kein Topfavorit war. Dass der Herr Merz jetzt nichts Besseres zu tun hat, als zu sagen: »Ihr habt alles gegeben, ihr habt das toll gemacht, wir sind stolz auf euch« und gar nicht merkt, dass solche Durchhalteparolen nichts als heiße Luft sind, finde ich seltsam.

Der Bundeskanzler hat nun nochmals nachgelegt und auf X geschrieben: »Erfolge feiern wir gemeinsam. Und in der Niederlage stehen wir zusammen. Das macht uns stark«.Na prima.

Halten Sie es denn für unangebracht, dass Friedrich Merz die Nationalelf in Schutz nimmt? Es fehlt aktuell ja nicht an scharfer Kritik.Eine nüchterne Bestandsaufnahme ist immer hilfreich. Jetzt frage ich Sie: Haben Sie denn das Gefühl, dass politisch und ökonomisch die Dinge klar und deutlich benannt werden? Oder sind wir nicht mehr damit beschäftigt, irgendwelche »Brandmauern« zu halten und wolkige Absichtserklärungen abzugeben?

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Aber sollte man........

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