Mehr Juden, bitte!
03. Juli 2026 – 18. Tamus 5786
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Immer mehr Juden in Deutschland tragen sich mit dem Gedanken auszuwandern. Der Antisemitismus nach dem 7. Oktober 2023 hat ein erschreckendes Ausmaß erreicht. Gestylt und in neuem Outfit begeistert der alte Judenhass viele junge Menschen, die sich für besonders aufgeklärt halten. Der moderne Zeitgeist ist »antizionistisch« und schert sich nicht um jüdische Ängste. Im Zentrum des Denkens steht der Konflikt im Nahen Osten – da scheint es etlichen, die sich für progressiv halten, egal, ob ihr Handeln Juden aus Deutschland vertreibt. Eine neue Situation, wie sie seit 1945 in Deutschland unvorstellbar war.
Etliche führende Politiker erkennen die Ignoranz und die gefährliche Geschichtsvergessenheit. Sie betonen: »Jüdisches Leben gehört zu Deutschland« und: Ohne Juden könne es »keine gute Zukunft für die Bundesrepublik« geben. Derlei Bekenntnisse sind lobenswert, doch sie werden nicht von allein Wirklichkeit, sondern müssen durch politisches Handeln eingelöst werden. Sie erfordern Taten. Und neue Ideen.
Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner hat kürzlich vorgeschlagen, Deutschland solle in Reaktion auf den neuen Antisemitismus eine bevorzugte Immigration und Einbürgerung für jüdische Familien einführen. Angesichts der Gefährdung jüdischen Lebens in Deutschland mutet der Vorschlag kontraintuitiv an – doch gerade darin liegt sein Potenzial: Präsenz statt Rückzug. Eine größere und damit sichtbarere jüdische Gemeinschaft kann unsere Gesellschaft offener und wehrhafter machen – ein Signal dafür, dass wir es nicht den Antisemiten überlassen, darüber zu entscheiden, wer in Deutschland lebt und wer das Land verlassen sollte.
Liegt es nicht nahe, eine ähnliche Initiative zu starten wie vor 35 Jahren?
Die jüdische Zuwanderung aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion in den 90er- und 2000er-Jahren ist eine Erfolgsgeschichte. Die einstigen Kontingentflüchtlinge sowie ihre Kinder und Enkel........
