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»Ich musste ihre Geschichte erzählen«

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06.10.2026

06. Oktober 2026 – 25. Tischri 5787

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»Ich musste ihre Geschichte erzählen«

Dafna Gerstner hat die Hamas-Massaker überlebt und wagt einen vorsichtigen Blick in die Zukunft

Frau Gerstner, Sie saßen am 7. Oktober 2023 zusammen mit Ihrem deutschen Mann 19 Stunden in einem Schutzraum im Kibbuz Be’eri. Es gab keine Möglichkeit, die Tür abzuschließen. Wie durch ein Wunder kamen die Terroristen nicht zu Ihnen. Was geschah danach?Zunächst konnte ich das Ausmaß dessen, was passiert war, gar nicht erfassen. Ich hatte innerhalb weniger Stunden meinen Bruder Eitan, meine Freunde Carmel Gat und Schachar Zemach und viele andere Menschen verloren, mit denen ich seit meiner Jugend im Kibbuz verbunden war. Dabei hatte alles so schön begonnen: Mein Mann und ich waren aus München nach Israel gekommen und hatten gerade zwei wunderbare Ferienwochen mit meiner Familie verbracht. Dann brach diese Katas­trophe über uns herein.

Was ging in Ihnen vor, während Sie und Ihr Mann im Schutzraum ausharrten?Ich hatte das große Glück, wenn man das so sagen kann, dass ich selbst keine Leichen gesehen habe. Vielleicht lag es auch daran, dass es dunkel war, als wir aus dem Schutzraum gebracht wurden. Vielleicht hat mein Gehirn bestimmte Bilder auch einfach ausgeblendet. Dass wir überlebt haben, war jedenfalls nur Glück. Andere Menschen waren stundenlang in ihren Schutzräumen eingeschlossen, während die Terroristen in ihre Häuser eindrangen und sich darin bewegten. Ich selbst hatte die ganze Zeit Angst, dass sie auf unseren Balkon kommen würden. Von dort aus konnte man die ganze Nachbarschaft überblicken.

Und dann?Nach der Evakuierung des gesamten Kibbuz wurden wir in ein Hotel gebracht. Dort funktionierte zunächst vieles nur noch im Krisenmodus. An Trauer oder gar an eine Schiwa war kaum zu denken. Erst später begann ich zu begreifen, was der 7. Oktober für mich persönlich bedeutete.

Wie gehen Sie heute mit der Ungewissheit um, warum die Terroristen ausgerechnet Ihr Haus verschont haben?Warum sie es nicht getan haben, werden wir vermutlich niemals erfahren. Nur wenige Häuser von uns entfernt, wurden Menschen als Geiseln genommen.

Ihr Mann ging später zurück nach Deutschland. Sie entschieden sich, in Israel zu bleiben. Was hat Sie dazu bewogen?Ich hätte es nicht ausgehalten, irgendwo zu sein, wo niemand nachvollziehen konnte, was ich gerade erlebt hatte. Deshalb rief ich unmittelbar meine Vorgesetzte in München an und kündigte. Ich wollte bei meinem Vater sein, der ebenfalls überlebt hatte, und bei der Be’eri-Gemeinschaft bleiben, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt selbst kein Kibbuzmitglied mehr war. Wir wussten bald, dass wir nicht nur vorübergehend im Hotel am Toten Meer bleiben würden. Es wurde für die nächsten Monate unser Zuhause. Dort gab es viel Unterstützung wie psychologische Erstbetreuung, aber auch Akupunktur und Massagen. Gerade diese körperlichen Angebote haben mir anfangs mehr geholfen als Gespräche. Ich musste zuerst wieder bei mir selbst ankommen.

Meine Wahrnehmung der Welt außerhalb des Kibbuz veränderte sich erst später. Einen Einschnitt erlebte ich nach dem Abzug der israelischen Siedlungen aus dem Gazastreifen.

Meine Wahrnehmung der Welt außerhalb des Kibbuz veränderte sich erst später. Einen Einschnitt erlebte ich nach dem Abzug der israelischen Siedlungen aus dem Gazastreifen.

Im Februar 2024 kehrten Sie nach München zurück. Wie fühlten Sie sich dabei?Da merkte ich allmählich, dass mein Körper begann, den permanenten Alarmzustand loszulassen. Und ich musste mich bewusst mit dem Verlust meines........

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