Ein Lazarettschiff im „Golf von Amerika“ wäre nötiger
Trump und Grönland : Ein Lazarettschiff im „Golf von Amerika“ wäre nötiger
Trump will nicht von Grönland lassen. Mit dem militärischen Argument traf er zumindest einen wunden Punkt. Die Kritik am Gesundheitswesen der Insel ist dagegen abwegig.
Wer glaubte, das Thema Grönland habe sich für Donald Trump erledigt, der wurde am Wochenende eines Besseren belehrt: Man mag es als bescheidenen Fortschritt werten, dass er wenigstens seine Annexionsforderung nicht wieder aufgriff. Aber auch die Entsendung eines Lazarettschiffs an die Küste der arktischen Insel, die er nun ankündigte, stellt einen Affront gegen Dänemark dar. Sie zeigt zudem aufs Neue, wie stark irrationale und narzisstische Triebkräfte Trumps Politik bestimmen.
Denn diesmal ist der Fall anders gelagert. Mit seinem Vorwurf, Dänemark und die übrigen NATO-Staaten hätten der militärisch-strategischen Bedeutung der Insel zu wenig Beachtung geschenkt, traf Trump zumindest einen wunden Punkt. Das mussten schließlich auch die Allianzpartner bei aller berechtigten Empörung über sein brachiales Auftreten anerkennen.
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Militärisch sind die Europäer nicht auf Augenhöhe Washingtons und bleiben abhängig von Trump. Aber Belehrungen über eine angeblich unzureichende medizinische Versorgung durch einen amerikanischen Präsidenten muss sich Dänemark nicht zu Herzen nehmen. Viele Amerikaner würden sich vermutlich glücklich schätzen, wenn in ihrem Gesundheitssystem dänische Standards herrschten. Die Nachfrage wäre wohl größer, wenn die Dänen ihrerseits ein Lazarettschiff in den „Golf von Amerika“ entsenden würden.
Thomas JansenRedakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.
Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.
