„Die EU-Zölle sind unverschämt“: Malediven-Präsident fordert im Interview Kurswechsel
Zum ersten Mal seit 60 Jahren besuchte der maledivische Präsident Mohamed Muizzu Deutschland. Während seines Aufenthalts in Berlin standen wirtschaftliche und sicherheitspolitische Themen auf der Agenda, darunter das lang erwartete Freihandelsabkommen, die Reduzierung der EU-Zölle auf maledivische Fischprodukte sowie gemeinsame Interessen im Indischen Ozean. Im Interview mit der Berliner Zeitung spricht Muizzu über die Beziehungen zu Deutschland, seine Erwartungen an die EU und die Zukunft der Malediven in Zeiten geopolitischer Turbulenzen.
Herr Präsident, Sie reisten Mitte Januar auf Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Deutschland. Was war der konkrete Anlass Ihres Besuchs, und was wollten Sie politisch in Berlin erreichen?Offiziell erfolgte mein Besuch auf freundliche Einladung des deutschen Bundespräsidenten, um den 60. Jahrestag der Aufnahme formeller diplomatischer Beziehungen zwischen den Malediven und Deutschland zu begehen. Politisch war meine vorrangige Absicht, Deutschlands Unterstützung dafür zu gewinnen, die derzeitigen EU-Zölle auf maledivische Fischexporte zu senken und zugleich ein Freihandelsabkommen zwischen den Malediven und der EU zu beschleunigen, um diese Zölle dauerhaft zu reduzieren. Dieses Abkommen wird seit mehr als einem Jahrzehnt erörtert. Wir fordern von der europäischen Seite eine zeitnahe Lösung.
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Hat die EU Ihr Land zu lange hingehalten?Die Zölle liegen seit 2011 bei 24 Prozent, als wir aus dem Status eines „Least Developed Country“ (LDC) aufstiegen und zu diesem Zeitpunkt den zoll- und quotenfreien Zugang „Everything but Arms“ zu den europäischen Märkten verloren. Es handelt sich um einen pauschalen Zoll – „mit Kanonen auf Spatzen schießen“, wie Sie in Deutschland sagen –, der eine schädliche Wirkung auf eine von zwei entscheidenden Industrien unseres Landes hat; die andere ist der Tourismus. Wir sind der Auffassung, dass der Einkommensstatus allein nicht über die handelspolitische Behandlung entscheiden sollte. Heute mögen die Malediven ein Land mit gehobenem mittlerem Einkommen sein. Doch wir sind auch ein vom Klima besonders bedrohtes kleines Inselentwicklungsland mit einer Bevölkerung von nur 500.000 Menschen. Unsere Fischerei erfolgt zu 100 Prozent nachhaltig mit der traditionellen Pole-and-Line-Methode, und unsere Fischarten kommen in europäischen Gewässern nicht vor. Es gibt keinen Grund, warum diese unverschämten Zölle fortbestehen sollten.
In Deutschland werden die Malediven vor allem mit Luxusresorts und Tourismus in Verbindung gebracht. Darüber hinaus: Welche wirtschaftlichen, wissenschaftlichen oder politischen Bereiche bieten Potenzial für eine engere Zusammenarbeit?Deutschland ist ein wichtiger europäischer Wirtschaftspartner – mit noch größerem Potenzial in der Zukunft. Deutsche gehören konstant zu den fünf häufigsten Nationalitäten, die unsere Inseln als Touristen besuchen – neben Briten, Chinesen,........
