Skinny oder Baggy? Weder noch – die Barrel-Jeans ist jetzt der neue Hosentrend
Nachdem in den vergangenen Jahren die Skinny-Jeans totgesagt wurde und eher lässig geschnittene Wide-Leg-Modelle als trendy galten, kommt neuerdings die Frage auf: Wird das Hosenbein etwa wieder enger? Die Antwort ist ein klares: Jein. Der Kampf zwischen Baggy und Skinny wird vorerst vertagt, denn ein neuer Anwärter tritt auf die Bildfläche: die Barrel-Jeans.
Ein Modell, das mittel bis hoch geschnitten ist, an der äußeren Seitennaht weit ausgestellt verläuft und zum Knöchel hin wieder schmaler wird. Das Ergebnis ist eine markante Silhouette, die – auch wenn es erst einmal wenig charmant klingen mag – in ihrer Form an ein Fass (englisch barrel) erinnert.
Laut der KI-basierten Trendplattform Heuritech stiegen die Google-Suchen nach dem Style im Vergleich zum Vormonat um 17 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr sogar um beachtliche 127 Prozent. Maßgeblich verantwortlich für den Trend zeichneten die Labels Alaïa, Khaite und Toteme.
Dass ausgerechnet jetzt eine so markante Hosenform an Beliebtheit gewinnt, ist laut Fashion Expertise Lead Noémie Voyer von Heuritech kein Zufall: Während Jeans über Jahrzehnte oft lediglich eine funktionale Ergänzung zum restlichen Outfit waren, haben sie sich nun zur eigentlichen „kreativen Leinwand“ entwickelt: Outfits werden neuerdings von der Hose ausgehend geplant.
Alter Wein in neuen Schläuchen?
Neu ist dieser Schnitt allerdings nicht; es gab schon einmal etwas Ähnliches. Unter der Bezeichnung „Ballonhose“ dürfte es bei vielen klingeln. Während weite Formen wie die Pluderhose bereits seit der Renaissance existierten, markierte die Bloomer-Hose 1851 einen entscheidenden Wendepunkt in der modernen Modegeschichte.
Damals aus leichten Baumwollstoffen oder Seide gefertigt, war sie ein modisches Statement der Frauenrechtsbewegung und ein Gegenentwurf zu einschnürenden Korsetten. Die erste Hose für Frauen war weit genug, um den Körper nicht zu sehr zu betonen, aber an den Fesseln eng anliegend, um nicht in die Speichen des Fahrrads zu kommen, das Damen in den 1890er-Jahren im sogenannten Bycicle Craze erstmals bestiegen.
In den 1910er-Jahren holte der französische Designer Paul Poiret die Silhouette als „Haremshose“ schließlich in die High Fashion, bevor sie in den 80er-Jahren erstmals als robuster „Anti-Fit“ – also ein bewusst gegen die natürliche Form des Körpers arbeitender Schnitt – im Denim-Bereich auftauchte.
Jetzt wird’s eng: Die Skinny Jeans wird wieder Trend
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Ein feministisches Manifest mag die Barrel-Jeans heute vielleicht nicht mehr sein, aber ein besonderes modisches Statement ist sie allemal – wirkt sie doch durch das markant ausgestellte und dann karottig zulaufende Bein fast architektonisch. Das Modell traut sich, aktiv Raum einzunehmen. Während die tägliche Hosenwahl häufig nur eine komplementierende Rolle spielt, setzt dieses Modell einen ganz eigenen Akzent.
Dabei ist das Styling der Jeans überraschend unkompliziert, wenn man ein einfaches Gesetz der Proportionen beachtet: Da die Hose durch ihre O-Form viel Volumen mitbringt, harmoniert sie perfekt mit schmal geschnittenen Oberteilen, die die Silhouette konterkarieren.
Wer den skulpturalen Look unterstreichen will, greift zu spitzen Stiefeletten oder filigranem Schuhwerk. Klobige Loafer verleihen dem Outfit indes eine moderne, maskuline Note. Am Ende lässt sie sich aber intuitiv wie jede andere Jeans kombinieren – und verhilft dem Look ganz beiläufig zu mehr Coolness.
