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Prognose: Ostdeutsche Regionen verlieren bis 2045 über 20 Prozent ihrer Erwerbspersonen

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27.03.2026

Die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte in Deutschland wird sich bis 2045 insgesamt nur geringfügig verändern – doch hinter dieser scheinbaren Stabilität verbirgt sich eine dramatische regionale Verschiebung. Das geht aus der neuen „Erwerbspersonenprognose 2045" des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn hervor.

Demnach sinkt die Zahl der sogenannten Erwerbspersonen bis 2045 im Vergleich zu 2022 lediglich um rund 0,5 Prozent auf etwa 43,3 Millionen Menschen. Als Erwerbspersonen gelten laut BBSR alle Erwerbsfähigen zwischen 15 und 75 Jahren, die den Wunsch nach einer Beschäftigung äußern – unabhängig davon, ob sie tatsächlich einen Arbeitsplatz haben.

Der Blick auf die einzelnen Regionen offenbart jedoch erhebliche Unterschiede: In 58 der insgesamt 96 untersuchten Regionen wird die Zahl der Erwerbspersonen zurückgehen. Besonders hart trifft es strukturschwache, vor allem ostdeutsche Gebiete. Für Regionen wie Altmark, Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg und Nordthüringen rechnet das BBSR mit Rückgängen von mindestens 20 Prozent. Der Hauptgrund: Zu wenige junge Menschen rücken nach, um altersbedingt ausscheidende Arbeitskräfte zu ersetzen. Zuwanderung und eine steigende Erwerbsbeteiligung könnten diese Verluste dort nicht kompensieren, so das Institut.

Für Berlin Zuwachs von 15 Prozent prognostiziert

Ganz anders die Lage in den wirtschaftsstarken Ballungszentren: Für Hamburg und München prognostiziert das BBSR Zuwächse von jeweils mehr als neun Prozent, für Berlin sogar von rund 15 Prozent. Diese Entwicklung speist sich laut der Hochrechnung vor allem aus Zuzügen sowie einer höheren Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter.

Die wachsende Kluft zwischen prosperierenden Großstädten und schrumpfenden ländlichen Regionen stellt die Politik vor Herausforderungen. Das BBSR sieht Handlungsspielräume insbesondere bei der Steuerung von Zuwanderung. Zudem gewinne Fort- und Weiterbildung an Gewicht: Wenn insgesamt weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stünden und weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt einträten, lasse sich aktuelles Fachwissen vor allem durch gezielte Qualifizierung sichern.

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