Sachse kämpft für Israel: „Wer hier an der Front steht, verteidigt auch Deutschlands Freiheit“
„Ich sehe es als meine Verantwortung, hier für Israel, für Deutschland, für Europa zu kämpfen“, sagt Daniel Adler im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Der gebürtige Chemnitzer ist Jude und kämpft momentan als Reservist der Israel Defense Forces (IDF) gegen die Hisbollah.
Am 26. Februar landete Adler in Israel. Den Tag darauf verbrachte er Zeit mit seiner Tante in der Nähe von Tel Aviv. „Am Samstag bin ich dann aufgewacht, es gab Raketenalarm. Online sah ich schnell, dass der große Krieg begonnen hatte. Präventiv zog ich mir meine Uniform an.“ Zu Mittag erhielt er die Nachricht auf sein Handy: Er musste sich sofort bei seiner Einheit melden. Stunden nach Kriegsbeginn stand er an der Basis in Nordisrael.
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„In Deutschland würde man erwarten, dass der Staat alles durchplant. In Israel organisieren die Soldaten vieles selbst. Das ist selbstverständlich“, erklärt Adler, der privat mit einem Freund Richtung Norden mitfuhr. Zunächst überwachte er mit seinen Kameraden die Golanhöhen. Heute hat er eine neue Einsatzmeldung, über die er aus Sicherheitsgründen nichts sagen darf. Nur so viel: „Es gibt Einheiten, die Israels Norden defensiv gegen Infiltrationen schützen. Aber auch solche, die offensiv im Süden des Libanons operieren, um die Hisbollah zu zerschlagen.“
Bereits im Herbst 2024 kämpfte Adler gegen die Hisbollah. Im Norden Israels und auch direkt im Süd-Libanon. „Am 25. Februar schrieb ich meine letzte Klausur, am 1. März hätte mein planmäßiger Reserveeinsatz begonnen. Aus dem wurde plötzlich ein Kriegseinsatz. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, berichtet er.
Es klingt ungewöhnlich: Ein Ostdeutscher an der Front in einem Krieg, der Tausende Kilometer von seiner Heimat entfernt tobt. Doch für Adler war der Schritt logisch. Bis zum Sommer 2023 absolvierte er seinen Wehrdienst in Israel als 19-Jähriger auf freiwilliger Basis. Er wollte dem Land etwas zurückgeben, das für Juden weltweit als letzter sicherer Hafen gilt, wenn wieder einmal alles schiefgehen sollte. Nach seinem Dienst kehrte er für sein Studium nach Deutschland zurück – nur eine Woche später begann mit dem 7. Oktober eine neue Eskalation.
Sondergenehmigung für Chemnitzer
„Als Deutscher war ich kein Reservist. Aber ich habe einen Schwur geleistet. Das Verteidigen Israels war mir so wichtig, dass ich auf eigene Faust hingereist bin und mich trotz bürokratischer Hürden meiner Einheit angeschlossen habe“, erzählt Adler. Inzwischen erhielt er eine Sondergenehmigung eines hohen israelischen Offiziers. Obwohl kein israelischer Staatsbürger, ist er offiziell Reservist der IDF.
Die Moral bei den israelischen Truppen sei hoch. „Alle sind bereit, etwas beizutragen. Niemand dachte, dass es so schnell vorangeht. Man spürt, dass die Kapazitäten beim Iran kleiner werden. Viele Länder erkennen jetzt, wie der Iran wirklich ist. Sie erleben das, was Israel immer durchmachen musste“, erklärt Adler in Bezug auf die Drohnen- und Raketenangriffe des Mullah-Regimes auf etliche Länder in der Region.
Er selbst erhält mittlerweile viele Anfragen von deutschen Juden, die seinen Weg verfolgen: Sie wollen ebenfalls in der israelischen Reserve dienen. „Ich finde Krieg schlecht“, sagt Adler mehrfach nachdenklich. „Aber dieser Kampf wurde begonnen, um langfristig Frieden zu schaffen.“ Sein Fokus liegt auf dem Kampf gegen den Iran und dessen Verbündete, in erster Linie die Hisbollah.
Am 2. März feuerte die Terrororganisation aus dem Libanon Drohnen und Raketen auf den Norden Israels ab. Nun kämpfen israelische Bodentruppen auch direkt im Süden des Libanons. Eine groß angelegte Offensive scheint möglich, Israel will die Hisbollah diesmal endgültig ausschalten.
Für den Chemnitzer ist es dennoch ein gutes Gefühl, in Israel zu sein. „Ich bin ostdeutscher Jude, in Sachsen geboren, es ist meine Heimat. Trotzdem will ich die israelische Staatsbürgerschaft beantragen.“ Die deutsche möchte er behalten, doch die Hinwendung zu Israel sei notwendig. „Der Antisemitismus in Deutschland wird stärker. Ich fühle mich oft nicht mehr wohl.“ Früher sei man von Randgruppen bedroht gewesen, heute sei Antisemitismus durch gewisse Gruppen wieder gesellschaftlich präsent gemacht worden. „Es macht mir Angst, dass solche Gedanken als breiter Konsens etabliert werden“, sagt Adler.
Er versteht Kritik am Vorgehen Israels, betont aber: „Wer hier kämpft, kämpft auch für Deutschlands Freiheit. Revolutionsgarden und ihre Verbündeten operieren auch in Europa. Israel ist in diesem Fall eine Front gegen den Terrorismus in Europa.“
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Sollte die Lage nicht eskalieren, kehrt der Sachse Ende des Monats nach Deutschland zurück. „Es ist verrückt, jetzt daran zu denken. Am 1. April beginnt für mich ein Praktikum in Deutschland.“ Doch der Krieg wird wahrscheinlich noch länger andauern, mit ungewissem Ausgang. „Wer glaubt, hat keine Angst“, zitiert Adler ein hebräisches Sprichwort. „Ich habe Respekt, aber keine Angst. Bei solchen Einsätzen kann immer etwas passieren.“
Plötzlich unterbricht er das Telefongespräch: „Ich muss mich entschuldigen. Ich habe den Frühalarm bekommen, es kommt wohl bald Raketenalarm, dann muss ich in den Bunker.“ Das ist der Alltag in Israel, schon wieder. Seine Familie in Sachsen sorgt sich, doch sie versteht seinen Entschluss. „Jetzt werde ich wohl einige Tage keinen Handyempfang haben, aber wir hören uns“, sagt Adler zum Abschied.
