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Wieso ist eine Banane ein Kunstwerk?

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05.07.2026

Ich stehe vor einer Banane. Nein, nicht vor der Banane daheim in der Obstschüssel, die sie sich mit einem Apfel und zwei Zwetschken teilt. Sondern in einem Museum. Im Centre Pompidou-Metz im Nordosten Frankreichs klebt eine Banane an einer weißen Wand, befestigt mit silbergrauem Panzertape. Ein einzelner Streifen, diagonal, ungefähr im 45-Grad-Winkel aufgeklebt. Kein Rahmen, kein Sockel, kein dramatisches Licht. Einfach nur eine Banane an der Wand.

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Ja und, was ist daran interessant, fragst du dich jetzt? Habe ich mich anfangs auch gefragt. Und war damit offenbar nicht allein, denn ich bin nicht die Einzige, die vor dieser Banane steht: Eine ganze Schar Besucher:innen versucht, sich einen Reim auf das Stück Obst zu machen. Die Banane wird betrachtet, genau unter die Lupe genommen, manche greifen sie sogar an. Jemand liest den Wandtext. Eine andere Person macht ein Foto und nickt ernst, was in Ausstellungen meistens heißt: Ich habe den tieferen Sinn der Banane an der Wand erkannt. Oder: Keine Ahnung, was das soll, aber das gebe ich lieber nicht zu.

Ich stehe vor der Banane und sinniere eine Weile. Und ständig ist da diese Stimme in meinem Kopf, die meint, dass ich das auch könnte. Was ist schon dabei, eine Banane an die Wand zu kleben? Leider ist mir das nicht früher eingefallen.

Jede:r kann eine Banane an eine Wand kleben. Maurizio Cattelan hat es 2019 so gemacht, dass die ganze Kunstwelt hinschaute und groß darüber diskutierte. Nicht, weil die Banane handwerklich beeindruckend wäre, sondern weil sie am richtigen Ort hing: auf einer der wichtigsten Kunstmessen der Welt, präsentiert von einer Galerie, signiert durch einen bekannten Künstler, abgesichert durch Zertifikat und Installationsanweisung. Aus Obst wurde Kunst, weil plötzlich alles da war, was Kunstwert erzeugen kann: Name, Raum, Regel, Erzählung, Publikum. Und weil die Arbeit zugleich genau diesen Mechanismus vorführte.

Seine Banane – das Werk heißt übrigens „Comedian“ – wurde auf der Art Basel Miami Beach zum Ereignis, später auch zum Witz, zum Aufreger, zum Meme, zum Beweisstück. 2024 wurde eine Ausgabe bei Sotheby’s für 6,2 Millionen Dollar verkauft. Für eine Banane! Genauer gesagt: für ein Zertifikat, eine Idee und die Erlaubnis, diese Banane immer wieder korrekt an die Wand zu kleben.

Und da ist er, mein mir bereits vertrauter Museumsgrant. Er überfällt mich vor weißen Leinwänden, schwarzen Quadraten, roten........

© Wiener Zeitung