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Eine waidwunde Nation, die sich nicht einschüchtern lässt

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06.02.2026

Irgendwo war da für einen Moment die Hoffnung, dass die Islamische Republik ihren 47. Jahrestag nicht mehr erleben wird. Dass sie an diesem 11. Februar, dem Tag, der als Sieg der Islamisten in der Revolution von 1979 gegen die Shah-Diktatur markiert wurde, nichts zu feiern hat. Weil sie schlichtweg nicht mehr existiert.

Knapp ein Monat ist nun vergangen, seit das Regime mit scharfer Munition auf die eigene Bevölkerung geschossen hat. Tausende hat es so auf offener Straße exekutiert. Genaue Zahlen, wie viele Opfer das Massaker vom 8. und 9. Jänner tatsächlich gefordert hat, wird die Geschichte eines Tages liefern. Dann erst wird man erfahren, was in den Wochen, in denen das Internet abgedreht war, tatsächlich passiert ist. Von all den Toten, die man im Bazar von Rasht verbrennen ließ, den Verwundeten, die man aus Krankenhäusern entführt hat, um sie dann zu erschießen. Und von den Leichen, die das Regime den Angehörigen nur gegen ein „Kugelgeld“ in Höhe von mehreren Tausend Euro rausrückte oder nur, wenn die Familie behauptete, dass es sich bei ihren Kindern um Regimeschergen gehandelt hat, die im Kampf gegen die „Terroristen“ zu Märtyrern wurden.

Eine bleierne Decke liegt über der iranischen Bevölkerung. Bekannte berichten, dass sie aufgehört haben, sich beieinander zu erkundigen, weil sie es nicht mehr ertragen können, zu erfahren, wer sonst noch getötet wurde.

Es ist eine waidwunde Gesellschaft, die traumatisiert darauf hofft, dass die Weltöffentlichkeit sie nicht vergessen hat. Jetzt, wo die EU die Revolutionsgarden auf die Terrorliste gesetzt hat und sich auf die Schulter klopft. Und jetzt, wo die USA, deren Präsident Donald Trump doch versprochen hatte, den Protestierenden zu Hilfe zu kommen, mit dem Regime verhandelt: Atomprogramm, Langstreckenraketen, Proxy-Finanzierung und Anerkennung Israels stehen da auf der Agenda. Menschenrechte und Demokratie nicht.

„Wir haben unser Blut nicht für Verhandlungen vergossen“ steht auf........

© Wiener Zeitung