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Nach 800 Jahren erstaunlich aktuell

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27.09.2026

Franziskus und die Armut 

Poverello, der kleine Arme. Mit diesem Wort bezeichneten schon Zeitgenossen Franz von Assisi. Die Armut des Sohnes reicher Leute muss sein Kennzeichen gewesen sein: die raue Kutte, der einfache Strick, die bloßen Füße. Von der Hand in den Mund lebten er und seine Bettelmönche, was später zu heftigsten theologischen Kontroversen zwischen der Armutsbewegung und den römischen Eminenzen führte: Hatte Jesus Besitz? Gehörten ihm sein Gewand und seine Sandalen? Ist Besitzlosigkeit gar Ketzerei?

Franziskus wären solche Grundsatzdebatten fremd gewesen. Für ihn war Armut eine Form der Freiheit: Wer nichts hat, hat nichts zu verlieren und kann ganz für andere da sein. Und das gilt nicht nur für materielle, sondern auch für geistige Armut: Demut statt Stolz, Gehorsam statt Eigensinn. „Wer der Größte unter euch sein will, sei der Diener aller“ – Franziskus nahm solche Sätze wörtlich.

„Unsere Ordensgründerin Franziska Schervier hatte viele Parallelen zu Franziskus“, sagt Schwester M. Dolores Haas. „Sie war auch Kind wohlhabender Leute, wurde enterbt und hat alles verloren. Aber wie Franziskus hat auch sie in Armen und Leidenden Jesus gefunden. Das war es ihr wert.“ Schwester Dolores (75) ist Generalsekretärin der Armen-Schwestern vom heiligen Franziskus. „Für uns ist es wichtig, für die Armen da zu sein, aber auch selbst arm zu sein“, sagt sie. Für die Armen da sein, das geschieht im Aachener Mutterhaus beispielsweise durch die Obdachlosenarbeit; 80 bis 100 Gäste werden hier täglich versorgt. „Aber es geht nicht nur um Materielles“, sagt Schwester Dolores. „Armut zeigt sich heute mehr denn je in Vereinsamung, der wir durch Angebote und ein offenes Ohr versuchen entgegenzuwirken.“

Und wie sind die Schwestern selbst arm? „Zum einen haben wir kein persönliches Eigentum“, sagt sie. „Wir verfügen nicht über eigenes Geld und müssen sparsam mit Wünschen wie Kino oder Urlaub umgehen.“ Auch der Platz für die Einzelnen ist bescheiden. „Gäste wundern sich oft, wie groß unser Mutterhaus ist und wie beengt jede von uns lebt.“ Auch der Orden selbst hat – bis auf das Mutterhaus – kein Eigentum. „Das hat unsere Gründerin so vorgegeben.“

Andererseits, sagt Schwester Dolores, sei es schon Franz von Assisi nicht nur um Materielles gegangen: „Armut ist eine Lebenshaltung.“ Dazu gehört, dorthin zu gehen, wo der Orden einen hinschickt. „Ich bin in 52 Ordensjahren an so vielen Orten neu angefangen. Meine Geschwister sagen: ‚Das könnte ich nicht!‘ Aber mich macht es glücklich.“

Armut erleben die Schwestern auch, weil sie weniger werden und älter, weil sie krank oder auf Hilfe angewiesen sind. „Diese eigene Armut anzunehmen, ist nicht einfach“, sagt Schwester Dolores. Und erzählt von ihrem Altenheim in Frankfurt, wo Schwestern, die sonst nicht mehr viel tun können, es sich zur Aufgabe gemacht haben, für andere zu beten. „In der Nähe ist der Frankfurter Dom, in dem täglich Gebetsanliegen angepinnt werden. Jemand holt sie ab und unsere Schwestern nehmen sie in ihr Gebet auf. Sie sagen: Das ist jetzt unser Dienst.“

Die Schwester ist überzeugt, dass diese franziskanische Haltung auch Menschen guttut, die keine Ordensleute sind. „Wir haben oft Gäste bei uns“, sagt sie, „manchmal für Wochen oder Monate. Viele sagen am Ende: Das war eine reiche Zeit. Hier habe ich gelernt, dass ich auch mit weniger glücklich sein kann.“ Eine Verklärung der Armut sei das nicht, „das wäre ganz und gar falsch“, sagt sie. Auch Franziskus habe das Elend seiner Zeit beklagt. „Arm im Sinne des Franz von Assisi ist man freiwillig.“ Schwester Dolores sagt: „Mich persönlich macht dieses Leben reich!“

Franziskus und die Schöpfung 

Wer an den heiligen Franziskus denkt, denkt automatisch an die Schöpfung: den Sonnengesang, den Wolf, die Vogelpredigt. „1979 erklärte Papst Johannes Paul II. ihn zum Patron derer, die sich für ökologische Fragen einsetzen, also des Natur- und Umweltschutzes“, sagt Andrea Riedl. „Das hätte ihm sicher gefallen.“ Denn bei seinen wenigen eigenen Schriften nähmen „die Natur, die Schöpfung, alle Kreaturen einen auffallend breiten Raum ein“. Riedl lehrt Mittlere und Neue Kirchengeschichte an der Universität Regensburg. Sie sieht seine Naturverbundenheit, sagt aber auch: „Franziskus war kein Ökologe in unserem Sinn. Die Natur hatte für ihn keinen Selbstzweck. Sie ist vor allem ein Verweis auf Gott, den Schöpfer.“ 

Im Grunde,........

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