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Bürokratieabbau alleine reicht nicht. Was brauchen Gründer am Bodensee und im Hegau wirklich?

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25.03.2026

Der Wirtschaftsstandort war ein zentrales Thema im vergangenen Wahlkampf zur Landtagswahl. Ein Thema, bei dem sich fast alle einig waren: Es braucht mehr Unterstützung für Gründer. Wie sieht die Situation im Kreis Konstanz aus? Das Statistische Landesamt veröffentlicht jährlich Zahlen zur Gründungsintensität je 10.000 Einwohner in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs auf. Dabei nimmt der Kreis Konstanz einen guten Platz ein.

Für das Jahr 2025 listet das Landesamt 15 „Betriebsgründungen mit wirtschaftlicher Substanz“ je 10.000 Einwohner auf. Auf denselben Wert kommen der Stadtkreis Stuttgart und der Rems-Murr-Kreis. Deutlicher Spitzenreiter ist der Stadtkreis Baden-Baden (32) vor Mannheim (21) und Ulm (19). Der landesweite Durchschnitt liegt bei 13.

So setzt sich der Wert zusammen

Das Statistische Landesamt berücksichtigt in seiner Auswertung „wirtschaftlich bedeutsamere Betriebsgründungen“. Dazu zählen „alle Gründungen von Haupt- und Zweigniederlassungen/unselbständigen Zweigstellen, die von einer juristischen Person, Personengesellschaft oder einer natürlichen Person angezeigt werden“. Bei der Gründung einer Hauptniederlassung gilt zudem, dass ein Handelsregister- oder Handwerksrolleneintrag besteht oder mindestens eine Person beschäftigt wird. Das Gewerbe darf nicht im Nebenerwerb betrieben werden. In der Auswertung nicht berücksichtigt sind Reisegewerbe und Freie Berufe.

Unterstützung können junge Unternehmen auf vielfältige Art erhalten. Häufig fällt das Stichwort Bürokratieabbau. Felix Keller, Referent Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der IHK Hochrhein-Bodensee, nennt das als zentrales Anliegen von Gründern: „Gerade in der frühen Phase eines Unternehmens kann ein hoher bürokratischer Aufwand Ressourcen binden, die eigentlich für den Aufbau des Geschäfts benötigt werden.“

Vor Ort sind die Bedürfnisse unterschiedlich

Welche gezielte Unterstützung Gründer in der Region benötigen, weiß der Verein Singen aktiv Standortmarketing. „Gründerinnen und Gründer brauchen vor allem einen einfachen Zugang zu solider und guter Beratung, Netzwerken und Finanzierung“, sagt Claudia Kessler-Franzen, Geschäftsführerin von Singen aktiv. Wie das Beratungsangebot genau aussieht, sei vom Einzelfall abhängig.

In Konstanz finden Unternehmer Unterstützung beim Gründungszentrum Farm als zentrale Anlaufstelle, erklärt Leiterin Christina Groll. „Dort erhalten Gründende, junge Unternehmen, Selbständige und Start-ups Beratung, kostenfreies Know-how in Workshops und Vorträgen sowie eine gezielte Vermittlung zu den passenden Partnerinnen und Partnern im regionalen Ökosystem.“ Zudem gebe es regelmäßige Treffen mit Vertretern von Hochschulen, Wirtschaftskammern, Initiativen, Unternehmen und Verwaltung. „Gerade in der Anfangsphase ist ein starkes Netzwerk oft entscheidend“, so Groll. Sie nennt etwa die regionalen Branchennetzwerke.

Netzwerke bleiben entscheidend, vor allem wenn es darum geht, Unternehmen auch in der Region zu halten. Zu guten Rahmenbedingungen zähle auch die Einbindung in regionale Wirtschaftsnetzwerke, sagt Kessler-Franzen von Singen aktiv. Weitere Punkte: „Je nach Gründung werden qualifizierte Fachkräfte, passende Räume, Flächen und Co-Working benötigt.“ Je nach Art des Unternehmens könne die Zusammenarbeit mit den Kammern und Hochschulen dazu beitragen, dass sie in der Region bleiben.

Ähnlich sieht es Christina Groll: Der Zugang zu geeigneten und bezahlbaren Gewerberäumen sei ein zentraler Faktor. „Wenn Start-ups wachsen, brauchen sie größere Flächen, möchten aber möglichst am Standort bleiben.“ Auch sie spricht Gewinnung und Bindung von Fachkräften als wichtigen Punkt an. Hier erweist sich der Hochschulstandort als Vorteil: Studierende könnten schon für ein Praktikum angeworben und nach dem Abschluss gleich übernommen werden. Unternehmen im Bereich Hightech bräuchten dagegen Zugang zu Fachkräften, Forschungseinrichtungen und Förderungen.

Jede Branche hat andere Bedürfnisse

Welche Unterstützung und welche Ressourcen junge Unternehmen brauchen, hängt auch stark von der Branche ab. So würden Dienstleister vor allem von Netzwerken, gegenseitigem Austausch und bei der Suche nach Räumen Unterstützung benötigen, sagt Kessler-Franzen. Im Handwerk gehe es dagegen häufig um Nachfolge, Flächensuche und Themen wie Fachkräfte und Azubis. Im Bereich Lebensmittel seien die regulatorischen Anforderungen hoch, so Groll. „Schon geeignete Produktionsräume zu finden – etwa lebensmittelkonforme, bezahlbare und kleinteilige Flächen – ist oft eine Herausforderung.“ Unabhängig vom Standort gibt es noch andere Dinge, die sich Gründerinnen und Gründer wünschen, sagt IHK-Experte Keller. Dazu zählen leichterer Zugang zu Finanzierungskapital und die stärkere Verankerung von Unternehmertum in Schulen, Hochschulen und der beruflichen Bildung.

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