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Wie lange leben Mensch und Hund schon zusammen? Neuer DNA-Fund sorgt für Überraschung

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30.03.2026

Neue DNA-Analysen legen nahe, dass die Vorfahren unserer heutigen Haushunde möglicherweise schon Jahrtausende früher als bisher angenommen domestiziert wurden. Forschende gewannen diese Erkenntnisse aus der Untersuchung der genetischen Daten von früheren Knochenfunden in Europa und der Türkei.

Wie lange leben Mensch und Hund schon zusammen? DNA-Auswertung bringt neue Erkenntnisse

Die Vorfahren der heutigen Haushunde lebten offenbar schon lange an der Seite des Menschen – vermutlich sogar bevor die ersten Nomadengemeinschaften sesshaft wurden. Wann genau der Übergang vom Wolf zum Hund stattfand, war bislang unklar. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung der LMU München, des Natural History Museum in London und der University of Oxford hat nun neue Erkenntnisse geliefert: Durch die Auswertung von DNA konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die ältesten genetischen Spuren von Hunden identifizieren. Ihre im Fachjournal Nature veröffentlichten Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Domestizierung des Hundes deutlich früher begann als bislang angenommen.

Wie die LMU München in einer Pressemitteilung informiert, ist es schwer, den Beginn der Hundedomestizierung allein über archäologische Funde zu bestimmen. Frühe Hunde sind selten, ihre Skelette ähneln stark denen von Wölfen, und erste Verhaltensunterschiede haben keine Spuren hinterlassen. Das internationale Team analysierte deshalb alte DNA aus Knochen, die als mögliche Hunde identifiziert worden waren. Die Proben stammen einerseits aus Gough’s Cave im Vereinigten Königreich und sind etwa 14.300 Jahre alt, andererseits aus Pınarbaşı in der Türkei und sind etwa 15.800 Jahre alt. Beide Fundstätten sind demnach dem Ende der Altsteinzeit zuzuordnen. Diese Daten wurden mit den Genomen von über 1000 modernen und alten Hunden und Wölfen weltweit verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass es sich tatsächlich um Knochen von Hunden handelt – und verschieben den ältesten direkten Nachweis für Hunde um mehr als 5000 Jahre nach hinten. Laut der Studie stammen die bisher ältesten eindeutig genetisch nachgewiesenen Hundeüberreste von Fundstätten, die rund 10.900 Jahre alt sind.

William Marsh vom Natural History Museum in London erklärt laut der LMU-Pressemitteilung, dass diese genetische Identifizierung einen Wendepunkt in unserem Verständnis der frühesten Hunde darstellt. So konnten auch weitere alte Hunde an Fundorten in Deutschland, Italien und der Schweiz identifiziert werden und beweisen, dass Hunde bereits vor mindestens 14.000 Jahren weit über Europa und die Türkei verbreitet waren.

Hunde waren erste Haustiere des Menschen – noch bevor es Häuser gab

Warum das spannende neue Erkenntnisse sind, hat der LMU-Paläogenetiker Laurent Frantz, einer der Leiter der Studie, gegenüber ORF erläutert: Erstmals konnte gezeigt werden, dass Menschen schon Hunde hielten, bevor sie Landwirtschaft betrieben und lange bevor sie sich mit Schweinen, Schafen, Ziegen oder Rindern umgaben. Menschen hatten also schon Hunde als Haustiere, als sie noch Jäger und Sammler und nicht sesshaft waren.

Welche Funktion Hunde in den altsteinzeitlichen Gesellschaften hatten, ist noch unbekannt. Die Forschenden gehen laut Nature-Artikel jedoch davon aus, dass verschiedene Jäger-Sammler-Gruppen in Europa und Anatolien Hunde gezielt weitergegeben oder ausgetauscht haben könnten. Laurent Frantz erklärt laut der LMU-Pressemitteilung, dass der frühe Austausch von Hunden darauf hindeute, dass diese Tiere eine wichtige Rolle gespielt haben müssen. Angesichts begrenzter Ressourcen lasse ihre Haltung vermuten, dass sie einen bestimmten Zweck erfüllten, beispielsweise als Wachhunde.

Durch Analysen wurde zudem belegt, dass die Menschen ihre Hunde mit Fisch fütterten und bewusst bestatteten. Das spricht laut den Forschenden für eine enge Beziehung zwischen Mensch und Hund. Trotz kultureller und genetischer Unterschiede zwischen den Jäger-Sammler-Gruppen waren Hunde offenbar fest in den Alltag, etwa bei Jagd und Fischerei, integriert.

Übrigens: Der Trend zur Haltung von Wolfshybriden – halb Wolf, halb Hund – als Haustier nimmt zu. Experten warnen jedoch vor großen Gefahren für Mensch und Tier.

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