AfD-Wahlsieg: Ein Land sieht Blau
Jubel bricht aus im Alten Theater in Magdeburg, als der hellblaue Balken kurz nach 18 Uhr in die Höhe schießt. Auf 44 Prozent kommt die AfD in der ersten Prognose zur Landtagswahl. Die Parteimitglieder, die hier zur Wahlparty zusammengekommen sind, liegen sich in den Armen, schwenken Deutschlandfahnen, halten blaue Herzen in die Höhe, darauf gedruckt das Gesicht von Ulrich Siegmund, ihrem Spitzenkandidaten. Als einer der ersten prominenten Redner tritt Björn Höcke – das Gesicht der Extremen in der Partei – ans Mikrofon. Er beginnt zu singen: „Ein Tag so wunderschön wie heute.“ Einige stimmen ein. Hinter ihm auf der Leinwand stehen die Worte: „Es beginnt hier.“
Die Partei selbst spricht von einem historischen Sieg, ihre Gegner von einer Zäsur. Beide haben recht. In Sachsen-Anhalt erreicht die rechtsextreme AfD am Sonntag ihr bisher bestes Ergebnis. Nur wenige Stimmen trennen sie, so zumindest der Stand am Abend, von der absoluten Mehrheit. Bleibt die Frage: Was macht die Partei mit diesem gewaltigen Ergebnis? Spitzenkandidat Siegmund hatte im Wahlkampf mal als Ziel 45 Prozent plus X ausgegeben, eine stabile Alleinregierung wolle er führen. Die verfehlt er wahrscheinlich, wenn auch denkbar knapp. Und jetzt?
Diese Landtagswahl, das macht die AfD deutlich, soll erst der Anfang sein
Es sind vor allem die kleinen Parteien, die eine AfD-Alleinregierung verhindert haben. Still im Saal der AfD wird es, als die Prozentpunkte für die Grünen bekannt gegeben werden, zu dem Zeitpunkt fast neun Prozent. Mit möglichen Koalitionen oder der Frage hält man sich bei den Reden auf der Wahlparty gar nicht auf. Stattdessen wittert man eine blaue Welle, die von Sachsen-Anhalt ausgeht, über Mecklenburg-Vorpommern bis in den Bund. Diese Landtagswahl, das macht die AfD deutlich, soll erst der Anfang sein – völlig egal, ob man jetzt den Ministerpräsidenten stellt oder nicht. Oder wie Parteichef Tino Chrupalla es am Abend formuliert: „Von hier aus werden wir Deutschland verändern.“
Dabei ist wenige Stunden zuvor von einer „Zäsur“ noch wenig zu spüren. Im etwa 70 Kilometer entfernten Tangermünde brummt Siegmund am Morgen noch in gewohnt guter Laune auf einer blauen Simson Schwalbe vor das Wahllokal in seiner........
