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24-Stunden-Pflege aus Osteuropa: Das fragwürdige Geschäft mit der Not

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19.05.2026

Versprechen am Sterbebett des Vaters hält man. Auch, wenn die eigenen Grenzen überschritten werden. Davon ist Therese Ruoff überzeugt. Ihres lautete: „Mama darf daheimbleiben, auch wenn du nicht mehr bist.“ Nach dem Tod ihres Vaters sorgte sie täglich dafür, dass ihre 78-jährige Mutter versorgt war, aß, trank, sich wusch. Über Monate hinweg nach Feierabend und gegen die Proteste ihrer Mutter fuhr sie zu ihr. Bis auch Ruoff zu erschöpfen drohte. Schon die letzte Lebensphase ihres Vaters war kräftezehrend, mit dessen Tod habe ihre Mutter rapide abgebaut.

Die Anzeichen ihrer Demenz wurden unübersehbar. Elfride Stolz wollte dem Postboten 100 Euro Trinkgeld geben, versteckte das Mittagessen im Bett, wehrte sich wütend gegen das Baden und machte sich schließlich im Schlafanzug auf ins nächtliche Iznang, ihrem Heimatort auf der Bodensee-Halbinsel Höri. „Die Sorgen haben mich innerlich zerrissen“, sagt Ruoff heute.

Eltern wünschen sich „eine Polin“

Inzwischen lebt Elfride Stolz in einer stationären Einrichtung am Bodensee, wo sie tatsächlich rund um die Uhr gepflegt wird. Das täuscht auch der Begriff „24-Stunden-Pflege“ vor, die Ruoff zwischen März 2018 und Februar 2021 nutzte. Es waren drei Jahre, in denen sie erfahren musste, wie Frauen systematisch ausgebeutet werden.

Ihre Eltern hatten sich, sagt Ruoff, im Fall der Fälle „halt eine Polin“ gewünscht. Der Satz ist nicht abwertend gemeint. Er ist eine Chiffre für ein gängiges Modell der häuslichen Pflege und die dahinterstehende Angst: im hohen Alter die eigene Wohnung verlassen zu müssen, aus der vertrauten Umgebung gerissen zu werden, Normalität zu verlieren.

Therese Ruoff tat, was man auf dem Dorf macht: Sie hörte sich bei Bekannten und Nachbarn um, mit ernüchternder Erkenntnis. „Wir hörten viel von Schwarzarbeit, was wir aber nicht wollten.“ Der legale Weg führte sie stattdessen in einen Pflegestützpunkt für eine neutrale Beratung. Das Angebot richtet sich an Pflegebedürftige und deren Angehörige. Eine Betreuungskraft für zu Hause empfahl man ihr dort nicht. Dennoch entdeckte sie den Flyer einer Vermittlungsagentur im Wartebereich. Deren Mitarbeiter leiteten sie aus Kapazitätsgründen weiter an eine weitere Agentur: Senior@Home24.

Arbeitsteilung zwischen deutscher und polnischer Firma

Senior@Home24 meldete sich rasch mit einem Angebot. Um die 2000 Euro pauschal im Monat, keine Vermittlungsgebühr, keine versteckten Kosten: eher die Seltenheit in dieser Branche. Andere Anbieter verlangen jährlich noch Hunderte Euro Vermittlungspauschalen und lassen sich jede An- und Abreise der Betreuungskräfte........

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