AfD und Linkspartei vor den Toren: Etwas mehr Gelassenheit wäre angemessen
Historisches Pathos: SPD-Fraktionschef Matthias Miersch, SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf und Boris Pistorius (erste Reihe, von links) am Dienstag auf dem Weg vom Bundestag zum Berliner Bebelplatz.
Fast mochte man an einen linken Patriotismus glauben, wie es ihn etwa in Frankreich gibt, als Boris Pistorius am Dienstagabend auf dem Berliner Bebelplatz die deutsche Nationalhymne sang. Dass die Stimme des sozialdemokratischen Verteidigungsministers deutlich herauszuhören war, deutete allerdings darauf hin, dass es manchen seiner Mitstreiter an Textkenntnis oder am Willen, mitzusingen, gefehlt haben könnte.
Pistorius’ Worten dürften sie allerdings zugestimmt haben: Von einem «Tabubruch der parlamentarischen Demokratie» sprach der Politiker dort, wo die Nationalsozialisten im Mai 1933 die Bücher von ihnen als «undeutsch» empfundener Autoren verbrannt hatten. «Demokratinnen und Demokraten», so Pistorius, hätten den «Rechtsextremisten und Faschisten als Steigbügelhalter gedient».
Einige Stunden zuvor war im Landtag von Sachsen-Anhalt erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Parlaments gewählt worden, mutmasslich auch mit Stimmen der Christdemokraten, mit denen Pistorius’ SPD in Berlin koaliert.
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