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Die deutschen Autobauer müssen sich in China durchsetzen

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28.04.2026

Auto China zeigt Machtverschiebung: Warum deutsche Autobauer in China plötzlich ins Hintertreffen geraten

Die deutschen Autobauer müssen sich in China durchsetzen

Auf der Auto China präsentieren chinesische Hersteller beeindruckende Innovationen und zeigen, warum sie den Elektroautomarkt dominieren. Deutsche Autobauer stehen vor großen Herausforderungen. Ihre Vormachtstellung droht endgültig zu kippen.

Die deutschen Meister des Autobaus haben jahrzehntelang den chinesischen Automarkt dominiert. Mittlerweile sind sie in die Rolle des wissbegierigen Schülers geschlüpft: Auf der Auto China, der weltweit wichtigsten Branchenmesse, bestaunen die Delegationen aus Ingolstadt, Wolfsburg und Stuttgart die bahnbrechenden Innovationen aus dem Reich der Mitte.

Es ist eine Veranstaltung der Superlative: Über 1000 Hersteller stellen in Peking ihre Produktpalette auf rund 380.000 Quadratmetern aus, gut 180 Weltpremieren werden dem Publikum präsentiert. Zur Inszenierung gehört auch jede Menge Entertainment: Flugtaxis heben ab, humanoide Roboter legen Tanzeinlagen ein, und inmitten der überfüllten Gänge tummeln sich unzählige Influencerinnen mit aufgetakelter Kleidung und überdimensionalen Selfiesticks.

Beeindruckende Innovationen

Die beeindruckendsten Innovationen und besten Preise haben eindeutig die Chinesen. Die neueste Autogeneration von BYD, mittlerweile Marktführer bei Elektroautos, lädt auch bei Minus 30 Grad in weniger als einer Viertelstunde. Der neueste SUV von Xpeng hat einen eingebauten Kühlschrank und soll vollkommen autonom fahren können.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass selbst die erfolgreichsten chinesischen Firmen auf dem heimischen Markt kaum Gewinne einfahren. Zu brutal ist der Preiskampf, angeheizt durch die Industriepolitik der chinesischen Staatsführung.

Politisch ist die VW-Strategie durchaus heikel: Denn das deutsche Traditionsunternehmen wird immer abhängiger von China.

Politisch ist die VW-Strategie durchaus heikel: Denn das deutsche Traditionsunternehmen wird immer abhängiger von China.

BYD, Nio und Geely reagieren darauf mit verstärktem Export - nach Südostasien, Lateinamerika und Russland. Doch kein Markt ist für die Chinesen so attraktiv, weil kaufkräftig, wie Europa. Aber die EU-Kommission hat bereits deutlich gemacht, dass man die eigene Industrie gegen die chinesischen Dumping-Preise schützen möchte. Höchstwahrscheinlich wird man sich auf einen Kompromiss einlassen: Den chinesischen Marken wird der Zugang zum europäischen Markt gewährt, wenn diese in Europa produzieren und so Arbeitsplätze sichern - so wie es China von europäischen Herstellern fordert.

Schicksalsjahr für die deutschen Autobauer

Für die deutschen Traditionsfirmen ist 2026 ein Schicksalsjahr. Im boomenden Elektro- und Hybrid-Segment kann selbst Volkswagen in China nur einen Marktanteil im geringen einstelligen Prozentbereich erzielen.

Bei der Aufholjagd geht es für die Wolfsburger nun nicht mehr um die Pole-Position im Reich der Mitte, aber immerhin unter den Top 3 möchte man mittelfristig landen. Dafür lokalisiert VW sein Geschäft so konsequent wie kaum ein anderes ausländisches Unternehmen. So kauften sich die Wolfsburger beim E-Autoproduzenten Xpeng ein und gründeten ein Joint Venture mit den Entwicklern von Horizon Robotics. Und auch die Forschung und Entwicklung hat man zunehmend ins strategisch wichtige Werk im zentralchinesischen Hefei verlagert.

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Mit dem Jetta X möchte VW nun wieder Boden gut machen: Es handelt sich um einen Elektro-SUV, der konsequent auf den Geschmack der chinesischen Konsumenten zugeschnitten ist - riesige Displays, viel Infotainment, ein Wohnzimmer auf vier Rädern. Für deutsche Verhältnisse ist vor allem der Preis revolutionär: Der Jetta X soll für weniger als 100.000 Yuan zu haben sein, das wären nicht mal 12.500 Euro. Wenig überraschend, wird er nur in China verkauft.

Politisch ist die VW-Strategie durchaus heikel: Denn das deutsche Traditionsunternehmen wird immer abhängiger von China. Doch es gibt im Grunde kaum eine Alternative. Denn mehr als ein Drittel aller Neuwagen weltweit wird bereits in China verkauft – und in der Elektromobilität setzt das Land zunehmend die Maßstäbe, wie aktuell in Peking zu beobachten ist. Wer also den Anspruch hat, ein global agierender Autobauer zu sein, muss vor allem auf dem chinesischen Markt bestehen.


© Solinger Tageblatt