menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Angst vor Weimarer Verhältnissen: Wir haben nicht 1932 – sechs Argumente, die Mut machen

17 0
18.08.2026

Angst vor Weimarer Verhältnissen Wir haben nicht 1932 – sechs Argumente, die Mut machen

Demonstranten in Berlin vergleichen im Februar 2025 Friedrich Merz mit Reichskanzler Franz von Papen.

Analyse | Düsseldorf · Angesichts des Aufstiegs der AfD breitet sich Endzeitstimmung aus. Immer wieder wird an das Ende der ersten deutschen Demokratie vor 100 Jahren erinnert. Das aber ist geschichtsvergessen – nichts ist verloren, vieles ist ganz anders als damals. Sechs Argumente, warum.

Diese Audioversion wurde künstlich generiert. Mehr Infos | Feedback senden

2. Regierung und Parlament

3. Militär und Paramilitär

Weimar ist wieder da. Es ist nicht besonders schwer, diesen Eindruck zu bekommen. Auch der Bundeskanzler hat seinen Anteil daran. „Einmal ’33 reicht“, sagte er zu einer Regierungsbeteiligung der AfD. Von einer „Nazipartei“ spricht Ministerpräsident Hendrik Wüst. Grünen-Chef Felix Banaszak erwähnte Machtübertragung an Faschisten in einem Zug mit dem Satz: „2029 wird wieder gewählt und dann 2033 – genau 100 Jahre wird es dann her sein.“ Vieles erinnere ihn an den Untergang der Weimarer Republik, befand Ex-SPD-Chef Kurt Beck. Vor dem „Weimarer Weg“ warnte CSU-Chef Markus Söder, der die aktuelle Bundesregierung auch schon als „letzte Patrone der Demokratie“ bezeichnet hat. Die Liste wäre leicht zu verlängern.

Der scheinbar unaufhaltsame Aufstieg der AfD inklusive drohender Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt, kombiniert mit dem näher rückenden 100. Jahrestag von Adolf Hitlers Machtübernahme hat eine Art Endzeitstimmung heraufziehen lassen – oder zumindest die beklommene Erwartung, es stehe das letzte Gefecht um die deutsche Demokratie bevor. Dauernde Provokationen der AfD im Umgang mit dem Nationalsozialismus („Vogelschiss“, „Alles für Deutschland“, „Hitler war ein Linker“) tun ein Übriges. „Weltuntergangsstimmung“, bilanzierte Söders Vorgänger Horst Seehofer.

Diese Stimmung ist ein Problem. Nicht nur weil sie eine Spirale des demokratischen Defätismus in Gang zu setzen droht, sondern weil sie den Blick auf die Fakten vernebelt. Vor der AfD zu warnen, ist gerechtfertigt, zweifellos – hier will sich eine in weiten Teilen rechtsextreme Partei den Staat zur Beute machen. Die AfD aber als neue NSDAP hinzustellen und die Bundesrepublik als Wiederholung von Weimar, ist (wenn es auch aus Sorge geschieht) geschichtsvergessen. Sechs Argumente sollen das zeigen. Insofern ist dieser Text auch als Mutmacher zu verstehen: Wir haben nicht 1932.

Die Weimarer Republik war von Ideologie- und Milieuparteien geprägt: SPD und KPD für die........

© RP Online