Freie Demokraten im freien Fall: Mit der FDP verschwindet ein Stück alte Bundesrepublik
Freie Demokraten im freien Fall Mit der FDP verschwindet ein Stück alte Bundesrepublik
Meinung | Berlin · Einst war sie das Zünglein an der Waage, wenn es um das Schmieden von Koalitionen ging. Heute ringt die FDP um Relevanz. Wenig spricht dafür, dass den Liberalen nochmal ein Comeback gelingt. Ihr Niedergang markiert das Ende einer politischen Epoche.
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Mit den verlorenen Landtagswahlen im Stammland Baden-Württemberg und an diesem Sonntag in Rheinland-Pfalz ist für die Freien Demokraten der Super-Gau eingetreten.
Über Jahrzehnte kam es in Deutschland auf die FDP an. Sie regierte an der Seite des ersten Kanzlers Konrad Adenauer (CDU), sie brachte 20 Jahre später Willy Brandt (SPD) ins Amt. Die Liberalen verhalfen den meisten Kanzlern zu parlamentarischen Mehrheiten. Denn in früheren Bundestagen, in denen häufig nur Union, SPD und FDP saßen, waren sie das Zünglein an der Waage. Entweder sie regierten mit den Christ- oder sie machten es mit den Sozialdemokraten. Doch damit ist es vorbei – und vieles spricht dafür, dass das Verschwinden der FDP dieses Mal endgültig ist.
Mit den verlorenen Landtagswahlen im Stammland Baden-Württemberg und an diesem Sonntag in Rheinland-Pfalz ist für die Freien Demokraten der Super-Gau eingetreten. Die Liberalen dringen mit ihren Botschaften nicht mehr durch. Ihnen fehlen Nachwuchstalente, eine politische Vision – und bei den Landtagswahlen im Herbst eine Perspektive. Überall liegt die FDP in Umfragen unter fünf Prozent.
Gerne verweisen Liberale darauf, dass die FDP schon einmal ihr Comeback schaffte – 2017 unter Christian Lindner. Doch die Situation damals ist mit der heute nicht vergleichbar. Das Parteienspektrum ist noch zersplitterter, die AfD ist stärker denn je. Dass die FDP als „radikale Mitte“ für sich wirbt, zeigt das Maß der Verzweiflung – die Quadratur des Kreises.
An ihrem desolaten Zustand hat die FDP in großen Teilen selbst schuld. Wenn sie im Bund zuletzt regierte, sorgte sie vor allem für Enttäuschung. Man muss den Zustand der Liberalen daher nicht beweinen. Dennoch steht er sinnbildlich für eine politische Realität, in der Mehrheiten in der Mitte immer schwieriger zu finden sind. Mit dem Verschwinden der FDP endet daher nicht nur die Geschichte einer Partei, sondern auch ein Stück alte Bundesrepublik.
