Übernahme-Kampf: Commerzbank – keine Angst vor Italien
Übernahme-Kampf Commerzbank – keine Angst vor Italien
Meinung | Düsseldorf · Die Commerzbank zieht alle Register im Übernahmekampf. Ein Irrweg. Auch das nationalistische Geraune entbehrt jeder Grundlage. Niente panico, möchte man den Kritikern zurufen.
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Die Commerzbank kämpft gegen die Übernahme.
Im Kampf gegen die Übernahme durch den Konkurrenten Unicredit zieht die Commerzbank alle Register: Deren Chefin Bettina Orlopp lehnt den von den Italienern gebotenen Preis zur Aufstockung der Anteile als zu niedrig ab und verweist auf die Stärke der eigenen Bank. Die Gewerkschaft Verdi warnt vor dem Abbau Tausender Stellen, wenn Unicredit sich durchsetzt. Die Frankfurter haben Lars Klingbeil (SPD) gewonnen, das Bundesfinanzministerium kritisiert bereits die drohende „feindliche Übernahme“ und erinnert daran, dass die Commerzbank doch systemrelevant sei. Und dann gibt es das nationalistische Geraune, durch eine Übernahme würden gute deutsche Spareinlagen missbraucht, um schlechte italienische Staatsanleihen zu finanzieren. Niente panico, möchte man den Kritikern zurufen. Sie überschätzen die Stellung der Commerzbank im internationalen Vergleich und unterschätzen Europas Aufsicht. Tradition ist kein ökonomisches Argument.
Gewiss ist die Commerzbank eine wichtige Bank für den Mittelstand, und dieses Geschäft sollte man nicht nur der Deutschen Bank überlassen. Doch das droht auch nicht, die Commerzbank soll schließlich nicht verschwinden. Wenn sie durch die Fusion und die damit verbundenen Synergien produktiver wird, kann ihr das im internationalen Wettbewerb nur helfen. Wie die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer zu Recht feststellt, sind gerade deutsche Banken weniger wettbewerbsfähig als internationale Konkurrenten. Mit der Unicredit kann die Commerzbank effektiver werden und die Chancen des europäischen Kapitalmarktes nutzen. Unicredit kommt schließlich nicht aus China, sondern aus Italien und ist damit den Regeln der europäischen Bankenaufsicht schon jetzt so unterworfen wie die Commerzbank. Statt die Angst vor Italien zu kultivieren, sollten die Beteiligten lieber die Chancen des Deals nutzen und das Beste für sich herausholen.
