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Die Kraft der Regionalmedien

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11.04.2026

Die Kraft der Regionalmedien

Regionaljournalismus, wie ihn CH Media macht, habe keine Zukunft, meint Ringier-CEO Marc Walder. Er täuscht sich. Wie so oft dürfte sich bewahrheiten: Totgesagte leben länger.

Fotos der Titelseiten von CH-Media Zeitungen. Am 9. April 2025 in Aarau.

Der CEO von Ringier hat uns zu Tode verurteilt. Marc Walder prophezeit in der «NZZ am Sonntag» das Ende sämtlicher Regionalzeitungen. Diese hätten in der Schweiz keine Überlebenschance mehr, sagt er. Der Grund: «Die KI pflügt die Branche um.» Nur drei Marken würden es schaffen, sich in die Zukunft zu retten. Wenig überraschend ist darunter seine Hausmarke, der «Blick». Dazu kommen das reichweitenstärkste Portal der Schweiz, «20 Minuten», sowie die «NZZ» als Nischenprodukt. Argumente, weshalb sich zwei weitgehend identische Angebote durchsetzen sollten, liefert er nicht.

Eine Prognose zwischen Anmassung und Fatalismus – man weiss kaum, ob man nun lachen oder weinen soll.

Natürlich verändert die Künstliche Intelligenz die Medienbranche radikal. So wie viele andere Branchen auch. Das ist keine besonders gewagte These. Wir sehen es bereits heute: Journalistische Inhalte werden übernommen, kopiert und als eigene ausgegeben. Davon profitieren vor allem die grossen Techkonzerne. Sie streichen ohne nennenswerten Aufwand Werbegelder ein, die dem unabhängigen Journalismus fehlen.

Doch Fatalismus ist fehl am Platz. Er ist schädlich. Trotz aller Unkenrufe ist die journalistische Qualität vieler Schweizer Medien heute besser als noch vor zehn, zwanzig Jahren. Doch wenn Branchenleader nur noch schwarzmalen, wenden sich die Besten und die Nachwuchstalente ab. Die Produkte verlieren an Substanz, irgendwann kehrt auch die Leserschaft ihnen den Rücken zu. Es ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Die Branche befindet sich gewiss in keiner einfachen Lage. Gleichzeitig tut sie sich schwer, gemeinsame Ziele zu definieren – etwa beim Urheberschutz oder bei einer Medienabgabe für grosse Techplattformen.

Das ist kurzsichtig. Der «Blick» liefert guten Boulevard-Journalismus. Doch was unterscheidet ihn letztlich vom Branchenprimus «20 Minuten»? Und was hebt ihn von anderen Gratis-Portalen wie «Blue News», «watson» oder «Nau» ab?

Unsere Regionalzeitungen liefern online und auf Papier täglich den Beweis, dass guter Journalismus und fundierte Recherchen funktionieren. Die Stärke der CH Media-Produkte liegt dabei nicht nur im Regionalen. Auch auf nationaler Ebene – sei es in Sport, Wirtschaft, Kultur oder Politik – haben wir längst zu den grossen Medienhäusern aufgeschlossen, sie teilweise sogar überholt. Die Kunden wissen das zu schätzen: So ist es uns 2025 erstmals gelungen, die Abonnentenzahlen zu stabilisieren.

Im KI-Hype liegt auch eine Chance, die sich zunehmend abzeichnet: Falschinformationen, intransparente Algorithmen und politische Einflussnahme vermischen sich im Informationsfluss. Die Menschen wenden sich wieder verlässlichen Quellen zu – einem Journalismus, der sich der Wahrheit verpflichtet fühlt.

Im Unterschied zu Chatbots recherchieren Journalistinnen und Journalisten, sprechen mit Menschen, verifizieren Angaben und schaffen so Inhalte neu. Sie reproduzieren nicht einfach Bestehendes. Gerade in den Regionen sind gute Texte deshalb nicht austauschbar – und damit auch nicht durch KI ersetzbar.

Das ist entscheidend für die Zukunft. Denn wer schaut den Lokalfürsten auf die Finger, wenn nicht der Lokaljournalist? Wer stellt die Fragen, um Umweltsünden von Unternehmen aufzudecken? Wer verfolgt politische Entscheide und analysiert, ob sie im Interesse der Bevölkerung liegen? Und wer berichtet sonst so ausführlich über Wahlen und Abstimmungen in Kantonen und Gemeinden? Unsere Regionalmedien sind für das Funktionieren der direkten Demokratie unentbehrlich. Ohne gut informierte Öffentlichkeit funktioniert dieses System nicht. Indem wir unabhängigen Journalismus auf allen drei Staatsebenen bieten, wächst die Bereitschaft der Leserschaft, auch für unser digitales Angebot zu zahlen.

Das geschieht nicht ohne grossen Einsatz. CH Media pflegt die Medienprodukte und entwickelt sie weiter. Wir investieren konsequent in die digitale Transformation und bauen zugleich unseren Kundenservice aus. Wir verfolgen dabei ein klares Ziel: Unabhängigen Journalismus auch in Zukunft finanzieren zu können.

Totgesagte leben länger. Die Situation wird durch KI und schrumpfende Werbeeinnahmen nicht einfacher. Doch die rund eine Million Leserinnen und Leser dieser Zeitung geben uns starken Rückhalt und Antrieb. Danke für das Vertrauen!

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