Die »Campists« machen mobil
In Teilen der internationalen Linken tobt dieser Tage eine eigenartige Schlacht. Bekannte Autoren wie der indische Kommunist Vijay Prashad oder der britische Schriftsteller Tarik Ali, Mitgründer der renommierten »New Left Review«, kritisieren eine Gruppe von Aktivist*innen und Intellektuellen um nicht minder bekannte Linke wie Angela Davis, Judith Butler, Mumia Abu-Jamal und Alberto Toscano wegen eines öffentlichen Briefs. Darauf setzt ein wahrer Shitstorm in den sozialen Medien ein, in dessen Verlauf den Verfasser*innen des Briefs nicht weniger vorgeworfen wird als eine Tätigkeit im Auftrag der US-Geheimdienste. Was war geschehen?
Das »Vergehen« der Gruppe um Davis und Butler besteht darin, dass sie unter dem Titel »Zwischen ›zwei Klingen einer Schere‹« eine Solidaritätserklärung mit Gefangenen im Iran veröffentlichte, die zuerst im britischen »The Guardian«, kurze Zeit später im »nd« auch auf Deutsch erschien. In ihrem Brief distanzieren sich die Autor*innen gleichermaßen vom repressiven Regime in Teheran wie vom US-amerikanisch-israelischen Überfall auf den Iran. In den USA, Israel und dem Iran sei »dieselbe Herrschaftslogik« am Werk, heißt es im Brief: »Es ist die Logik der karzeralen Staaten weltweit: Wenn sie die Krisen, mit denen die Menschen konfrontiert sind, nicht bewältigen können, versuchen sie einfach, die Menschen zu kriminalisieren oder verschwinden zu lassen.« Vor diesem Hintergrund erklären die Verfasser*innen: »Wir stehen an eurer Seite und lehnen die falsche Gegenüberstellung von Imperialismus und einem hohlen Antiimperialismus ab.« Gemeint ist damit nicht, dass es keinen Antiimperialismus mehr brauche, sondern dass Staaten, die wie der Iran selbst auf Ausbeutung und Unterdrückung........
