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Geboren in Auschwitz

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09.10.2026

09. Oktober 2026 – 28. Tischri 5787

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Angela Orosz-Richt kam im Dezember 1944 in einer Baracke des deutschen Vernichtungslagers zur Welt. Im Januar wird sie bei der Gedenkstunde im Deutschen Bundestag sprechen. Unserem Autor hat sie ihr bewegtes Leben geschildert

Weniger als ein Kilogramm wog sie bei ihrer Geburt. Das Neugeborene war so schwach, dass es keinen Mucks von sich geben konnte. Doch genau diese Stille rettete der kleinen Angela vermutlich das Leben. Denn sie kam im NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zur Welt – auf der obersten Pritsche einer Baracke, am 21. Dezember 1944. In Angela Orosz-Richts Geburtsurkunde und im Reisepass ist als Geburtsort der deutsche Name »Auschwitz« eingetragen.

Für die Gedenkstunde zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2027 hat Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) die Ungarin, die seit 1973 in Kanada lebt, nach Berlin eingeladen. Und weil im Reichstagsgebäude kurz nach diesem Termin die Bundesversammlung tagen wird, um ein neues Staatsoberhaupt zu wählen, werden im Plenarsaal doppelt so viele Stühle stehen als sonst. Klöckner hat bereits angekündigt, dass auch Schüler zu der Gedenkstunde eingeladen werden sollen.

Ihren leiblichen Vater hat sie nie kennengelernt

Angela Orosz-Richt dürfte das freuen. Denn vor ihrer Auswanderung arbeitete die heute 81-Jährige in Budapest als Grundschullehrerin, wie zuvor schon ihre Mutter Vera und zahlreiche ihrer Tanten. Ihren leiblichen Vater Avraham (Tibor) Bein hat sie nie kennengelernt. Im Mai 1944 wurden der Rechtsanwalt und seine Ehefrau Vera aus dem ungarischen Sárospatak nach Auschwitz-Birkenau deportiert. An der Rampe des Todeslagers sehen sie sich ein letztes Mal.

Mengele lacht sie aus und nennt sie eine »dumme Gans«.

Mengele lacht sie aus und nennt sie eine »dumme Gans«.

Vera Bein steht bei der Selektion dem berüchtigten SS-Lagerarzt Josef Mengele gegenüber. Weil sie auf Mitgefühl hofft, verrät sie ihm, dass sie im dritten Monat schwanger ist. Mengele lacht sie aus, nennt sie eine »dumme Gans«. Doch er schickt Vera nicht in die Gaskammer. Stattdessen wird die damals 25-Jährige zu harter Zwangsarbeit herangezogen. Später ordnet die SS sie zur Mitarbeit in die Lagerküche ab.

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Um ihr ungeborenes Kind nicht zu verlieren, durchwühlt Vera den Abfall nach Kartoffelschalen und anderen essbaren Dingen. Mengeles Mitarbeiter führen an ihr Experimente durch, injizieren ihr giftige Substanzen in den Gebärmutterhals. Wie durch ein Wunder überlebt der Fötus die Torturen. Ein jüdischer Mithäftling bietet Vera eine Abtreibung an, um wenigstens das eigene Leben zu retten. Sie lehnt ab.

Trotz ihrer Unterernährung kann die Mutter Angela selbst stillen

Als im Dezember 1944 die Wehen einsetzen, gelingt es einer Mitgefangenen, schnell heißes Wasser, eine Schere und ein halbwegs sauberes Laken zu organisieren. Drei Stunden nach der Entbindung von Angela muss die Mutter bereits wieder beim Zählappell in der eisigen Kälte vor der Baracke stehen – barfuß. Hätte sie gefehlt, wäre sie vermutlich ermordet worden. Und noch ein Wunder geschieht: Trotz ihrer Unterernährung kann Vera Bein Angela selbst stillen.

Nach der Befreiung des Vernichtungslagers am 27. Januar 1945 werden Mutter und Kind von einem Überlebenden des Lagers aufgenommen. Die Ärzte haben kaum Hoffnung für das Kind. Im Winter 1945/46 wiegt es gerade einmal drei Kilo – so viel, wie die meisten Babys bei ihrer Geburt. Erst spät lernt Angi, wie das Mädchen von allen gerufen wird, das Laufen. In Sárospatak verbringt sie dennoch eine behütete Kindheit.

Tibor Bein hat das Grauen nicht überlebt. Er stirbt nicht in Auschwitz, sondern im Frühjahr 1945 im KZ........

© Juedische Allgemeine