Von Saftpäckchen und Zahlencodes
23. Juni 2026 – 8. Tamus 5786
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Von Saftpäckchen und Zahlencodes
Auf der Online-Plattform TikTok versteckt sich Judenhass häufig hinter Zahlencodes, Emojis und Hashtags. Eine neue Studie untersucht die Besonderheiten des digitalen Antisemitismus
Wie gut kennen Sie sich bei TikTok aus? Wissen Sie zum Beispiel wofür das kleine grüne Trinkpäckchen-Emoji steht? Oder das Hashtag #271? Und was hat es mit der ominösen #Agartha auf sich, die häufig mit dem 80s-Hit Down Under der australischen Band Men at Work in Verbindung gebracht wird? Die Auflösung findet sich in der von Wyn Brodersen, Michael Schmidt und Maik Fielitz verfassten Studie Portionierter Judenhass: Eine Vermessung des Antisemitismus auf TikTok, die im Online-Magazin »Maschine Against the Rage« erschienen ist und sich mit der Besonderheit von digitalem Antisemitismus auf der Social-Media-Plattform beschäftigt.
Dieser verbirgt sich den Autoren zufolge häufig hinter Symbolen und Zahlencodes: So spielt das harmlos wirkende Saftpäckchen auf die lautliche Ähnlichkeit zwischen den englischen Wörtern »juice« und »jews« an und wird gerne verwendet, wenn es wieder einmal um kindermordende Eliten oder das sogenannte Finanzkapital geht. Und auch #271 setzt auf eine ganz ähnliche Kommunikationsstrategie: Die Zahl bezieht sich auf ein Dokument, das 271.000 Sterbeurkunden von Häftlingen aus verschiedenen Konzentrationslagern erfasst und als Beweis dafür herhalten soll, dass dem Holocaust angeblich weit weniger als sechs Millionen Juden zum Opfer gefallen sind. Das Hashtag »Agartha« schließlich hat nichts mit dem weiblichen Vornamen »Agatha« zu tun, sondern bezeichnet einen fiktiven Ort, der im Erdinneren liegen soll und von einer überlegenen arischen Rasse bevölkert........
