»Wir suchen nach Körper und Seele«
26. Oktober 2026 – 15. Cheschwan 5787
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»Wir suchen nach Körper und Seele«
Als Star der Netflix-Serie »Jewish Matchmaking« ist sie international bekannt und kommt auch nach Deutschland. Funktioniert die jüdische Liebe hierzulande anders?
Frau Ben Shalom, Sie haben in letzter Zeit mehrfach mit jüdischen Singles in Deutschland gearbeitet. Was hat Sie an der jüdischen Dating-Szene hier besonders überrascht?Bei einer Veranstaltung in Düsseldorf im Juli dieses Jahres haben wir ein Kennenlernspiel gemacht, bei dem es darum ging, Gemeinsamkeiten zu finden. Eine Person trat hervor und sagte: »Ich habe noch nie einen jüdischen Menschen gedatet.« Ungefähr die Hälfte der Teilnehmenden stellte sich zu ihr. Das war für mich bemerkenswert. Ich fragte sie, warum. Die Antwort war nicht, dass sie etwas dagegen hätten. Ganz im Gegenteil. Sie sagten: »Ich würde sogar sehr gern jemanden Jüdischen kennenlernen. Ich hatte einfach nie die Gelegenheit dazu.« Das sagt etwas Wichtiges aus. Es gibt einen echten Bedarf.
»Geben ist die Wurzel der Liebe«
Aleeza Ben Shalom über ihre Netflix-Show, arrangierte Ehen und einen Niggun
Matchmaking mit Olami Germany – ein Ortsbesuch
Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ist relativ klein und über das ganze Land verteilt. Macht dies jüdisches Dating besonders schwierig?Menschen erzählen mir an ganz unterschiedlichen Orten dasselbe: »Es ist so eine kleine Gemeinschaft. Jeder kennt jeden.« Das höre ich auch in New York, Miami, Los Angeles und London. »Mehr« bedeutet nicht, dass irgendwo in dieser riesigen Auswahl der richtige Partner steckt. Manchmal bedeutet »mehr« einfach mehr Ablenkung. Wenn man weniger Möglichkeiten hat, muss man sich umschauen und die Menschen wirklich kennenlernen. Wir suchen nicht nur nach einem Körper und nach Chemie. Wir suchen nach Körper und Seele. Ein hübsches Gesicht trägt eine Beziehung nur eine gewisse Strecke. Was passiert, wenn die Person den Mund aufmacht? Gefällt Ihnen, was sie sagt? Stimmen Ihre Werte überein? Verstehen Sie sich? Deshalb liebe ich kleine Veranstaltungen. Es geht nicht nur um die Anzahl der Menschen. Es geht um die Intimität, die mit einer kleineren Gruppe entsteht. Menschen öffnen sich. Sie erzählen Geschichten. Man beginnt zu verstehen, wer sie wirklich sind – nicht nur, wie sie aussehen.
Haben sich bei der Düsseldorfer Veranstaltung tatsächlich Paare gefunden?Soweit ich weiß, haben einige Paare nach der Veranstaltung angefangen, zu daten. Und auch diejenigen, die die Veranstaltung nicht mit einem neuen Partner verlassen haben, gingen mit etwas Wichtigem nach Hause: Hoffnung. Sie gingen mit dem Gefühl: »Ich kann meinen Menschen finden.« Sie hatten eine bessere Vorstellung davon, wonach sie suchen sollten und wo sie jemanden kennenlernen könnten. Und sie haben gelernt, dass es völlig in Ordnung ist, einen Freund anzurufen und zu sagen: »Kennst du jemanden für mich?« So lernen wir Menschen kennen. Wir nutzen unsere Freunde und unsere Gemeinschaft, um Kontakte herzustellen. Und ich habe eine Theorie: Jeder kann eine Verbindung herstellen. Man muss kein professioneller Matchmaker sein. Man muss nicht einmal verheiratet sein. Wenn man zwei Menschen kennt und denkt: »Ihr würdet gut zusammenpassen«, dann nennt man ihnen drei Gründe und schlägt vor, dass sie sich........
