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Unsterbliche Buchstaben

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02. Juli 2026 – 17. Tamus 5786

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Unsterbliche Buchstaben

Warum der erste Generaldirektor des israelischen Religionsministeriums mit seinem Vorhaben scheiterte, eine Zeremonie für in der Schoa vernichtete Bücher zu etablieren

Es gibt nicht viele Fälle, in denen die Halacha erlaubt, am Schabbat Gegenstände in den öffentlichen Raum zu tragen. Die Rettung von Torarollen oder Bibeln vor einem Feuer gehört dazu. Wenn eine heilige Schrift nicht gerettet werden kann und jemand sie brennen sieht, dann ist er laut Mischna (Traktat Schabbat 16) dazu aufgefordert, als Zeichen der Trauer sein Gewand zu zerreißen.

Dass Schriften und Bücher im Judentum seit jeher größte Bedeutung genießen, wussten auch die Feinde der Juden. Nachdem die Nationalsozialisten die Vernichtung jüdischer Bücher auf die Spitze getrieben hatten, versuchte Shmuel Zanwil Kahana (1905–1998), der erste General­direktor des israelischen Religionsministeriums, einen eigenen Gedenktag für sie zu etablieren.

Von der Kabbala inspiriert, wollte er zeigen: Nur das Papier konnten die Nazis zerstören

Von der Kabbala inspiriert, wollte er zeigen: Nur das Papier konnten die Nazis zerstören, die geschriebenen Buchstaben aber sind zum Himmel aufgestiegen, von wo aus sie zur Entstehung einer neuen Generation toratreuer Juden im Heiligen Land beitragen würden. Wer an einer der mystischen Zeremonien teilnahm, die Kahana jährlich in der Woche abhielt, in der die Parascha Chukat in der Synagoge gelesen wird, hat sie wahrscheinlich nie wieder vergessen. An den Gedenktag für vernichtete Bücher denkt in Israel heute aber trotzdem niemand mehr.

Während der 50er- und 60er-Jahre war nicht nur die politische Landkarte des jüdischen Staates vielen Änderungen unterworfen, sondern auch die religiöse. Wichtige Pilgerstätten wie die Gräber der Patriarchen in Hebron oder das Rachelgrab nahe Bethlehem lagen nach dem Unabhängigkeitskrieg in jordanischen Händen. Auch die Kotel in der Altstadt von Jerusalem, die Westmauer des ehemaligen Tempels, war für Israelis nun unzugänglich. Religiöse Juden reagierten mit Trauer, Wut und Nostalgie.

Der Mann, der sich dieser Probleme annahm, hieß Shmuel Zanwil Kahana. Geboren 1905 als Sohn eines Warschauer Rabbiners, kam er kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nach Jerusalem. Dort war Kahana zwei Jahrzehnte lang Generaldirektor des Religionsministeriums, und das durchaus mit Einfluss. Der Berg Meron im Norden Israels ist nur eine von vielen Pilgerstätten, die er bekannt machte.

Der Zionsberg, ein historischer Hügel südlich der Jerusalemer Altstadt, als bestmöglicher Ersatz für die Kotel

Kahanas Herzensprojekt war der sogenannte Zionsberg, ein historischer Hügel südlich der Jerusalemer Altstadt, in dem er den bestmöglichen Ersatz für die Kotel sah. Dort gestaltete er das angebliche........

© Juedische Allgemeine