Spätes Debüt
08. Oktober 2026 – 27. Tischri 5787
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Der Schriftsteller Eli Beneš gilt als bekannteste literarische Stimme der Juden in Tschechien. Sein Roman über einen Schoa-Überlebenden machte ihn zum preisgekrönten Autor. Eine Begegnung
Es war ein langer Umweg, auf dem Eli Beneš zum Autor geworden ist. Als Komponist für Fernsehmusik hat er gearbeitet und als Radiomoderator, zwischendurch wollte er auch einmal Rabbiner werden, aber dann hat er sich doch noch an den Schreibtisch gesetzt und seinen Roman geschrieben. Unmerklicher Verlust der Einsamkeit heißt er in seiner deutschen Übersetzung, erschienen 2025, das tschechische Original kam 2023 heraus. Eli Beneš hat damit auf Anhieb den renommiertesten tschechischen Literaturpreis gewonnen und ist zur jüdischen Stimme der zeitgenössischen Prager Schriftsteller geworden.
Jetzt sitzt er in einem Café im hippen Prager Stadtviertel Letná, ein paar Tische nur stehen in einem Innenhof, ausgeschenkt wird das Bier einer kleinen Prager Brauerei. »Ich gehe gern hierhin«, sagt Eli Beneš, er wohnt ein paar Straßenblöcke weiter.
50 Jahre alt ist er, und dass er erst vor ein paar Jahren mit dem Schreiben angefangen hat, liegt an einem Umbruch: »Ich habe viele Jahre lang eine selbst gegründete Musikzeitschrift herausgegeben, das Thema fasziniert mich einfach«, erzählt er. »Aber so eine Zeitschrift ist heutzutage einfach wie ein Relikt, das nicht mehr in die Zeit passt.«
Die Verkaufszahlen gingen immer weiter zurück, und er stampfte kurzerhand das Projekt ganz ein. »Und auf einmal hatte ich wieder Zeit.« 200 Seiten wollte er eigentlich schreiben, am Ende wurde es ein mehr als doppelt so langes Epos, das ihn ein paar Jahre Recherche gekostet hat und nur der Auftakt geworden ist zu einer Trilogie, an deren beiden Fortsetzungsbänden er noch arbeitet.
Die tschechische Literatur steht derzeit unter besonderer Beobachtung
Die tschechische Literatur steht derzeit unter besonderer Beobachtung: Bei der Frankfurter Buchmesse ist Tschechien das Gastland, mehr als 180 Titel sind aus diesem Anlass ins Deutsche übersetzt worden – Romane, Gedichtbände, Comics, Kinderbücher, auch Sachbücher sind dabei. »Tschechien, ein Land an der Küste« ist das Motto der Gastland-Präsentation, ein tatsächliches Zitat von Shakespeare, der mit der mitteleuropäischen Geografie offenkundig nicht ganz vertraut war, und gleichzeitig ein hintersinniger Hinweis auf die tschechische Ironie, die seit jeher auch die Literatur des Landes prägt.
Einen roten Leuchtturm werden die Tschechen mitten in ihrem 2500 Quadratmeter großen Messe-Pavillon aufbauen, rundherum entsteht eine........
