Sie ging – der Roman kommt
02. Juli 2026 – 17. Tamus 5786
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Sie ging – der Roman kommt
Die Autorin Slata Roschal las in Klagenfurt ihren Text »Es ist die Leichtigkeit, die den Herrn am Tisch von der Putzfrau unterscheidet«. Und sie verursachte einen kleinen Skandal
Noch die letzten drei Wörter, ein »Vielen Dank« – dann stand sie auf, nahm ihren Klemmblock mit dem Text und ging einfach raus. Fast genauso nonchalant, wie sie gekommen war, verließ Slata Roschal nach ihrer Lesung am vergangenen Donnerstag bei den 50. Tagen der deutschen Literatur in Klagenfurt den Saal und lief die 32 Stufen hinunter. Es war kurz nach drei Uhr am Nachmittag, und sowohl das Publikum als auch die Jury waren für einen Moment etwas verdutzt.
Eine Überraschung war es aber nur für diejenigen, die diese eine Stelle in einem Interview überlesen hatten, das wenige Tage zuvor in der »Süddeutschen Zeitung« veröffentlicht worden war. Denn in diesem Gespräch hatte Roschal ihren Move angekündigt. »Ich werde halt meinen Text lesen und dann aufstehen und gehen«, sagte sie. »Nicht aus Protest. Es ist nicht mein Job, einer Jury zuzuhören. Wissen Sie, Kritik ist nicht das Problem in Klagenfurt.«
»Als hätte irgendwer eine Woche lang auf mich eingeschlagen«
Sie fühle sich, sagt die Autorin nach dem mehrtägigen Wettbewerb im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen, »als hätte irgendwer eine Woche lang auf mich eingeschlagen«. Ihr sei natürlich bewusst gewesen, dass sie, falls sie sich der Diskussion der Jury über ihren Text entziehe, »also selbst diese Kleinigkeit«, keinen Preis bekommen werde.Mit der heftigen Reaktion der Presse hatte sie jedoch nicht gerechnet. »Ein bisschen war sie auch unter der Gürtellinie. Und das ist sehr unangenehm.« Die »FAZ« schrieb: »Wer Helga Schubert zuhörte, konnte Slata Roschal für ungezogen halten.« In einer Zusammenfassung der »taz« hieß es: »Gesteht man Roschal diesen Universalismus zu, ist es allerdings zumindest verwunderlich, dass sie sich in ihrem Text plötzlich aus dem Nichts zu den toten israelischen Geiseln äußert und nicht generell die von den Gräueln des Kriegs zermalmten Zivilist:innen überall betrauert.«
»Schriftsteller sind quasi die Putzfrauen des Literaturbetriebs«, sagt Slata Roschal.
»Schriftsteller sind quasi die Putzfrauen des Literaturbetriebs«,........
