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Rückkehr nach Rennes

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02. August 2026 – 19. Aw 5786

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Unweit vom Dreyfus-Museum führen Schüler am Originalort den Prozess auf. Neben beeindruckenden Landschaften bietet die Bretagne auch eine Lektion in jüdischer Geschichte

Vor einigen Monaten führten Schüler des Lycée Émile Zola und eine Gruppe Anwälte in der bretonischen Hauptstadt Rennes den zweiten Dreyfus-Prozess auf. Angesichts der Dramatik des Revisionsprozesses von 1899 mit all seinen Chören und Anklagen, seinen Helden und Dämonen, der Verbannung, der Irrfahrt und der Rückkehr in die Heimat könnte man tatsächlich von einer zweiten Aufführung sprechen. Das Schauspiel fand in dem Raum statt, der damals Austragungsort des Prozesses war. Heute dient er den Schülern des Gymnasiums als Turnsaal und ist als »Salle Dreyfus« bekannt.

Drei Abende mit je 200 Zuschauern nach einem Text, den Olivier Maunaye aus den Originalakten zusammengestellt hatte. »Man muss die politische Machenschaft hörbar machen, die Böswilligkeit und die Korruption – das ist die größte Herausforderung«, beschrieb Regisseurin Rozenn Trégoat ihr Anliegen. Die Schülerin Eden Couame-Gérard, die gleich zwei Rollen spielte, erklärte hinterher, die Aufführung habe ihr klargemacht, wie sehr es dem Staat damals darum ging, die Ehre des Militärs zu verteidigen – selbst wenn es hieß, einen echten Verräter in Schutz zu nehmen und einen Unschuldigen zu opfern.

Tief reichende jüdische Vergangenheit

Vor einigen Wochen eröffnete das Musée de Bretagne, keine fünf Gehminuten entfernt, eine neue Dauerausstellung über den Prozess. Das Haus besitzt eine der bedeutendsten Dreyfus-Sammlungen weltweit. 8000 Objekte, deren Geschichte selbst Teil der Affäre sind. Die ersten Artefakte gelangten 1899 ins Museum, noch während der Prozess lief: Postkarten, Zeitungsausschnitte, Fotografien, die Journalisten und Schaulustige aus aller Welt in die Stadt gespült hatten.

1978 vermachte Jeanne Lévy, Tochter von Alfred und Lucie Dreyfus, dem Haus mehr als 4500 weitere Objekte – Briefe, Telegramme, persönliche Dokumente, die zeigen, wie die Familie den Kampf um die Rehabilitierung von innen erlebte. Der Historiker Pascal Ory betont, dass der Rennes-Prozess auch ein historisches Medienereignis war: Der Filmpionier Georges Méliès drehte bereits 1899 eine filmische Rekonstruktion des Verfahrens, eine der ersten dokumentarischen Inszenierungen der Filmgeschichte.

Das neue Interesse, das die französische Öffentlichkeit an der Dreyfus-Affäre hat, lenkt den Blick auf eine Region, die im Gedächtnis Frankreichs sonst wenig Platz beansprucht: die Bretagne. Eine Halbinsel am Atlantik, weit von Paris entfernt, mit einer eigenen Sprache, einer eigenen Geschichte – und einer jüdischen Vergangenheit, die tiefer reicht, als ihre kargen Gegenwartszahlen vermuten lassen.

Juden haben in der Bretagne nie tiefe Wurzeln geschlagen. Und doch reicht ihre Geschichte weiter zurück, als man vermuten würde. Die älteste dokumentierte Präsenz geht auf das Konzil von Vannes um 465 zurück, das Klerikern verbot, mit Juden zu speisen – ein möglicher Hinweis darauf, dass Juden damals integriert genug........

© Juedische Allgemeine