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Meine Angst

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05. Juli 2026 – 20. Tamus 5786

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Was heißt als Jude in Deutschland nach dem 7. Oktober zu leben. Ein Aufschrei von André Herzberg

Meine Vergangenheit verschwindet im Weiß meiner Kindheit. Daher kommt auch meine Angst. Ich versuche, ihr seit vielen Jahren näherzukommen. Da sie aber in der weißen Wolke verschwindet, kann ich ihrer ursprünglichen Quelle nur schwer näherkommen, sie deutlich machen. Weil mir mein frühester Mensch fehlt? Mein Zwilling starb vor meiner Geburt. Weil meine Mutter keine Worte für ihre Angst hatte, abgesehen von ihrer Zunge, die ich am Abendbrottisch in ihrem geöffneten Mund sah, wenn sie schnappartig eingeatmet hatte und dann befahl: Schau nach, ob die Wohnungstür abgeschlossen ist.

Allein zu sein, macht mir bis heute Angst. Zu glauben, es wäre zu wenig Geld da, ich wäre von der Welt vergessen, macht mir Angst. Ich gehe seit 30 Jahren zu Therapeuten, um darüber zu reden. Die Tatsache, dass ich dem jüdischen Volk angehöre, das von der Welt verachtet wird, macht mir Angst. Aber am meisten quält mich, nicht genau zu wissen, woher meine Angst kommt. Morgens, wenn ich gerade erwache, ist sie am stärksten.

Im Traum hatte ich noch keine Angst

Im Traum davor habe ich mich wieder mal unmöglich benommen. Im Traum hatte ich noch keine Angst, erst, wenn ich mir meiner Gefühle, die in Entscheidungen münden, im Erwachen bewusst werde. Im Traum bin ich noch der »Kleine«, den mein Therapeut von mir fordert, ganz einfach so. Ich bin dem Schicksal ergeben, auf eine Weise mutig, die mir später verrückt erscheint. Ich schreibe mir alles auf, aber es bringt mich der Quelle nicht........

© Juedische Allgemeine