Kein Skandal ist der Skandal
26. Oktober 2026 – 15. Cheschwan 5787
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Kein Skandal ist der Skandal
Milo Rau macht aus Wagners »Fliegendem Holländer« an der Deutschen Oper Berlin eine groteske Abrechnung mit Israel – und erntet dafür kaum einen Buhruf
Ein Skandal liegt in der Luft. Auf dem Programm steht Richard Wagners Fliegender Holländer, aber die Hauptrolle spielt Israel. Polizei vor der Deutschen Oper Berlin, einem der größten Opernhäuser hierzulande, Check der Abendtäschchen. Zudem heißt der Regisseur Milo Rau, ein selbstgewisser Schweizer. Skandale begleiten seine Kunst als zentrales Element. Er setzt sie marketingmäßig erfolgreich ein. Hier will Rau den Nahostkonflikt als Roadmovie auf die Bühne und uns alle endlich zum Nachdenken bringen. Dabei verrutschen ihm drei verschiedene Ebenen und sämtliche Metaphern, er massakriert sowohl Wagners Werk als auch historische Fakten.
Der fliegende Holländer ist bei ihm keine tragische Sagenfigur, die Erlösung sucht, sondern Deutschland. Ebene eins: Getrieben von der Schuld der Schoa, kreuzt Deutschland im Geisterschiff die Meere. Es landet bei Senta, die junge Dame verkörpert Israel. Der Holländer will irgendwie das Schuld-Ding mit ihr lösen. Sentas Papa Daland, Gründungsvater Israels, verschachert seine Tochter gegen Schmuck und Diamanten, das kennt man ja von Juden.
Sex auf dem Grab eines ermordeten München-Sportlers
Und wo bleiben die Palästinenser? Richtig, der zurückgewiesene Liebhaber Erik markiert Palästina, die Kufiya lässig umgeschlungen. Eine rechtsradikale Mary in hellblauem Kostüm steht irgendwo zwischen eisenharter Soldatin und Netanjahu-Groupie. Nein, das ist keine Fantasie aus der Galerie »Tütchen zu viel gezogen«. Das ist Ebene eins auf der Bühne, wo zwischen Israel-Fahnen und Mahnmal-Stelen wenig passiert, allerdings treibt es Senta mit dem Holländer auf dem Grab eines ermordeten München-Sportlers.
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