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Jüdisches Leben nach Orbán

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03. September 2026 – 21. Elul 5786

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Jüdisches Leben nach Orbán

Die neue Regierung verspricht eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Judenhass – und Partnerschaft auf Augenhöhe

Budapest ist wahrscheinlich die einzige europäische Hauptstadt, durch die man spazieren kann, ohne auf anti-israelische Graffiti zu stoßen. Es interessiert auch niemanden, ob man eine Kippa trägt oder in der Öffentlichkeit Hebräisch spricht. In der Nähe jüdischer Einrichtungen ist kaum oder gar keine Polizei zu sehen. Doch hinter dieser Fassade der Sicherheit verbarg sich bei den meisten Juden bisher ein tiefes Misstrauen gegenüber einer Politik, die jüdisches Leben förderte, aber wegschaute, wenn Judenhass geschürt wurde – je nachdem, wie es der Regierung Orbán gerade passte.

Kein Wunder also, dass sich die meisten jüdischen Wähler im April für die liberal-konservative Partei Tisza von Péter Magyar entschieden haben – obwohl niemand wirklich wusste, wie Magyar zum Judentum steht. Während der Wahlkampagne hatte er sich kein einziges Mal zu Antisemitismus, Gaza oder Israel geäußert.

Erdrutschartiger Wahlsieg von Tisza

Doch gleich nach der ersten Pressekonferenz im Anschluss an den erdrutschartigen Wahlsieg von Tisza konnten Juden aufatmen. Der designierte Ministerpräsident Magyar kündigte eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Antisemitismus an und ging noch weiter: »Wir werden nicht einmal so etwas tun, wie es die Orbán-Regierung in bestimmten Propaganda-Publikationen getan hat.« Damit spielte er wohl auf Aktionen wie die codiert antisemitischen Kampagnen gegen den aus Ungarn stammenden amerikanisch-jüdischen Philanthropen George Soros an.

Drei Tage später setzte Magyar ein deutliches Zeichen: Anlässlich des Holocaust-Gedenktags nahm er unangekündigt an der Erinnerungsfeier des Dachverbandes der jüdischen Gemeinden, Mazsihisz, teil.

Der Verbandsvorsitzende Andor Grósz äußert sich gegenüber der Jüdischen Allgemeinen optimistisch: Es hätten inzwischen mehr als ein Dutzend Arbeitsbesprechungen mit der neuen Regierung stattgefunden. »Die Vertreter von Mazsihisz sitzen mit am Verhandlungstisch, wenn über die Vorstellungen des Kabinetts in den Bereichen Religionsleben, Bildungswesen, Sicherheitspolitik, Sozialpolitik, Außenpolitik sowie über alle für uns vorrangigen Entwicklungsvorhaben beraten wird«, hob........

© Juedische Allgemeine